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Die so genannten Heiligen
Schriften der Menschheit stellen als Quelle aller Schöpfung und des Geistes
die »Kosmischen Wasser« vor.
Heute sprechen Psychologen von dem Bereich des Unbewussten, der die gesamte
individuelle und kollektive Erfahrung wie die Oberfläche des Wassers
widerspiegelt, aber auch Impulse aus höheren Bereichen, aus dem so genannten
Überbewusstsein. So finden wir die Befragung des Wassers und der
Brunnenorakel schon bei den frühen Völkern. Dabei entstanden viele
unterschiedliche Techniken, Varianten der antiken Hydromantie.
Meist blickte man aber einfach nur ins klare Wasser hinein. Einige
Orakelquellen waren berühmt dafür, was sie den Schauenden boten. Während
einer Mondfinsternis oder bei Neumond standen die Erfolgschancen wohl
besonders gut. Das christliche Mittelalter pries noch den Martinstag dafür,
die Sonnenwende auf Johannis und die Christ- oder Silvesternacht. Schlag
Mitternacht muss es nicht sein, doch viele haben hier besonders gute
Ergebnisse erzielt, überhaupt in der Zeit zwischen 22 Uhr und 2 Uhr morgens.
Für einen Versuch in den eigenen vier Wänden reicht eine Kristallschüssel
mit frischem Wasser. Manche stellen vier Kerzen herum, die vier Richtungen,
Elemente und die Ordnung des Universums symbolisierend. Man stelle die Frage
und fixiere einen bestimmten Punkt auf der Wasseroberfläche. Dabei sollte
man versuchen, mit den Augen hin durchzuschauen, ohne sich durch den Grund
der Schüssel bremsen zu lassen. Die Dämpfe des Wassers werden das Ihrige
beitragen, dass relativ rasch ein Zustand erreicht wird, wo eine Spiegelung
aus dem Unterbewusstsein die äussere Sicht überlagert. Nun können sich
kurzfristig klare Bilder auf der Wasserfläche zeigen, die in ständiger
Veränderung sogar ganze Geschichten erzählen.
Wer es vorzieht, dazu in der freien Natur einen lauschigen See zu suchen,
der sei gewarnt. Vor allem Menschen, die leicht in Trance fallen, können von
dunklem Wasser magnetisch angezogen und in die Tiefe gelockt werden. Man
fixiere besser nur die Oberfläche der Gewässer. Das ständige Fliessen eines
Baches oder Flusses liefere bei kluger Fragestellung eine besondere Klarheit
zur Problembewältigung. Wer sich gleichzeitig auf die Geräusche
konzentriert, kann auch eine auditive Botschaft empfangen. Mitunter kündigt
sie sich dadurch an, dass friedliches Plätschern zu einem Brausen
anschwillt, um dann abrupt abzubrechen. In diese Stille hinein können
Stimmen sprechen. Doch bei allen Stimmen überprüfe man mit aller zu Gebote
stehenden Vernunft, was sie zu sagen haben. Es melden sich gern Seiten von
uns zu Wort, die besser den Mund halten sollten.
Aus dem alten Assyrien oder Babylonien stamme das Verfahren, mit und ohne
Medium durch Zaubersprüche Hilfsgeister oder andere Herrschaften zu zwingen,
sich im Wasser durch gurgelnde oder andere Geräusche zu outen und auch auf
diese Art Zukunftsaussagen von sich zu geben. Der Römer Hippolytus
berichtete erbost über eine aufgedeckte Variante dieses Orakels. Im Hause
eines Zauberers stand in der Öffnung des Fussbodens eine sie völlig
ausfüllende Glasschale mit Wasser. Der Magier in feierlicher Robe
verdunkelte den blau ausgemalten Raum und rezitierte die altertümlichen
Beschwörungsformeln. Der Klient beugte sich über die Schale, und bald sah er
tatsächlich im Wasser Gestalten, die ihm allerlei Zeichen machten. Doch die
»höheren Wesen« in der durchsichtigen Schale waren die Kumpane des Magiers,
die im Gelass darunter, entsprechend kostümiert, ihre Faxen machten. |