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Steinweissagung |
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Ewig unbewegte Steine
würden wachsen und erhielten ständig frische und unverdorbene Kraft aus der
Erde, glaubten die Menschen. Besonders Grosssteine und Findlinge umwob ein
besonderer Zauber, eine brisante Mischung unvorstellbaren Alters mit
zeitloser Weisheit und voller ehrwürdiger Kraft. Solche Steine sollten
gehen, tanzen, schaukeln, sprechen, schreien, ja sogar singen können. Ein
dem Orpheus zugeschriebenes Gedicht spricht von Ophites (Schlangensteinen)
und Siderites (Sternsteinen). Der Ophites ist rau, schwer, schwarz und
besitzt die Gabe der Sprache. Wenn man sich anschickt, ihn wegzuwerfen, so
bringt er einen Ton hervor, ähnlich dem Schrei eines Kindes. Mit Hilfe
dieses Steines sagte der Seher Helenos, der grosse Seher Trojas, den
Untergang seiner Heimatstadt voraus. Eusebius, der christliche Bischof von
Caesaria im 4. Jahrhundert, trennte sich niemals von seinem Ophites, den er
auf der Brust trug und von dem er Orakel empfing, die in einer »dünnen
Stimme« erklangen, ähnlich einem »leisen Pfeifen«. Arnobius, ein Heiliger
der christlichen Kirche, gesteht, dass er niemals an einem dieser Steine
vorbeigehen konnte, ohne an ihn eine Frage zu stellen. Die Antwort tönte in
einer »klaren und scharfen dünnen Stimme«. Der wohl berühmteste Stein in
Europa, der Lia Fail, sprach aber nicht mit jeder Laufkundschaft. |
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