Studienlehrgang über Träume und Traumdeutung
 
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Sibylle von Paris

Die 1772 in Alencon geborene Marie Anne Lenormand wurde, da ihre Eltern starben, als sie noch ein Kind war, von Benediktinerinnen erzogen. Ihr besonderes Interesse galt der Musik, der Malerei, den Sprachen und der Dichtkunst. Schon früh aber übte sie sich auch im Wahrsagen. Im Kartenschlagen mit einem von ihr selbst entworfenen Spiel, im Lesen aus der Hand und aus dem Kaffeesatz brachte sie es in Rücksprache mit einem Geist namens Ariel zur Meisterschaft in diesen in Frankreich damals verbotenen Künsten.
Ab 1790 praktizierte sie in Paris. Als sie vom Wohlfahrtsausschuss verhaftet und dadurch in der Öffentlichkeit bekannt wurde, errichtete sie nach ihrer Freilassung in der Rue de Tournin in Faubourg St. Germain eine eigene Wahrsagepraxis. Zeitweise besass sie in der Rue de la Sante eine Buchhandlung. Zu ihren vielen prominenten Kunden zählte Josephine de Beauharnais, der sie vorhersagte, sie werde Kaiserin werden. Später wurde sie persönliche Bedienstete der Kaiserin. Napoleon prophezeite sie seinen Aufstieg und in geschickter Weise auch, dass er Josephine, seine »Herzdame«, heiraten werde, was er am 11. März 1796, wenige Tage nach seiner Ernennung zum Oberbefehlshaber, prompt auch tat. Als sie Vorhersagen machte, die nicht in Napoleons Pläne passten, liess er sie zweimal einsperren. Auch dass sie ihm einmal - aus Ärger über seine Reaktion - die Karten ins Gesicht warf, verbesserte die Beziehung nicht. 1809 wurde sie aus Frankreich ausgewiesen. Prompt sagte sie von Brüssel aus Napoleons baldigen Sturz voraus. Sehr geschätzt wurde sie von den Zaren Alexander 1., den sie beim Aachener Kongress 1818 getroffen haben soll.
1817 schrieb sie ein Buch über ihr Leben, ihren erlauchten Kundenkreis und über die grosse Zahl von zutreffenden Vorhersagen, die ihr gelungen waren. 1820 veröffentlichte sie in Paris ein Buch über ihre 1814 in Malmaison verstorbene Gönnerin, die Kaiserin Josephine.
Als sie 1843 in Paris starb, hinterliess sie ein Vermögen von einer Million Francs. Zwei Jahre nach ihrem Tod erschienen 54 Wahrsagekarten unter ihrem Namen (das grosse Lenormandspiel). Eine verkürzte Form mit 36 Karten wird bis heute in ganz Europa nachgedruckt.

 

 

 

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