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Schuhe, Stiefel, Sandalen
oder Pantoffeln dienten bereits in der Antike als Symbol von Amtsgewalt oder
Freiheit, Recht, Besitz oder Aufbruch. Im Hineinschlüpfen in den Schuh sah
man ein Sinnbild für den Sexualakt. Schweifte jemand in geschlechtlicher
Hinsicht etwas aus, sprach man in Sachsen respektlos von »Auslatschen«.
Jeder weiss, die Problematik beginnt schon morgens: Steigt man zunächst in
den glückverheissenden rechten Schuh oder in den unheilverkündenden linken?
Als Kaiser Augustus in Gedanken zuerst in die linke Sandale schlüpfte, ahnte
er sofort, dass eine Verschwörung gegen ihn im Gange war. Und tatsächlich
brachte ihn ein Militäraufstand in grosse Bedrängnis. So berichtet
jedenfalls Plinius in seiner »Naturalis Historia«. Man ziehe ohnehin
zunächst beide Strümpfe an und dann die Schuhe in der richtigen Reihenfolge.
Sonst gebe es am Tag Anlass sich zu schämen.
Am Martinstag (1 . November), häufiger aber zu Andreas, endete oder begann
früher das befristete Arbeitsverhältnis für Knechte, Mägde und
Dienstpersonal. Vor allem junge Frauen wollten spätestens jetzt
herausfinden, wer die nächste Herrschaft sein könnte oder sollte, und
nutzten dazu gern ein schlichtes Orakel. Beim Schuhwerfen konnte es in der
Praxis nur um eine einfache Fragestellung gehen. Zeigte die Schuhspitze beim
Herunterfallen in den Raum, lag es nahe zu bleiben. Deutete sie zur Türe,
konnte dies auf einen Wechsel der Herrschaft hinweisen - oder auf andere
interessante Dinge, die sich hinter dieser Tür noch ergeben konnten.
Da man schon einmal dabei war, das Glück zu befragen, suchte man
gleichzeitig oft nach Anzeichen, wer der erste, der einzige oder der nächste
Geliebte sein würde. Gelegentlich wurde der Heilige direkter gefordert:
»Heiliger Andreas, ich bitt dich, Bettstatt, ich tritt dich, lass mir
erscheinen den Herzallerliebsten mein!« Dieser offensichtlich mit gewissem
Nachdruck begleitete Bittruf erscholl in der einen oder anderen Form in den
ersten Stunden des 30. November, wobei der Tagesheilige oft genug schamhaft
seine Augen vor der völligen Nacktheit der Begehrenden verschliessen musste.
Verabschiedet man sich vor einer Reise und es fliegt ein rechter Schuh auf
einen zu, verlaufe diese Reise äusserst glücklich. Wirft jemand dem
Brautpaar ein Paar Schuhe vor die Füsse, drohe die Ehe besonders fruchtbar
zu werden. Schleudert ein Meister dem Lehrling seinen Schuh (egal welchen)
hinterher, wackelt die Karriere des Auszubildenden. Bewirft ein Guru seinen
Schüler mit dem Schuh, gibt's Aussicht auf Erleuchtung. |