|
Schafe zählen zu den
ersten Tieren, die der Mensch domestizierte. In ihrer Sanftheit, vor allem
im weissen Lamm, fand er ein Symbol des reinen oder gereinigten Charakters,
der ursprünglichen Göttlichkeit. Als Kontrast folgt ein »dummes Schaf«
willenlos jeder Führung.
Singlefrauen, die Gelegenheit haben, in der Christ- oder Matthiasnacht (24.
Februar) dreimal an einen Schafstall zu klopfen, können etwas über die
Zukunft erfahren: Blökt als erstes ein alter Bock, drohe ihr ein ältlicher
Partner und eher bitteres Liebesschicksal. Blökt ein altes Schaf, bleibe sie
vermutlich ledig. Antwortet als erstes ein junger Bock, winken Aussichten
auf einen Prachtburschen. Piepst ein kleines Lämmchen, müsse sie mit einem
unehelichen Kind rechnen.
Im Allgemeinen gilt die Begegnung mit einem Schaf oder gar einer ganzen
Herde als Glück bringend, soll auf eine baldige Reise deuten oder einen
interessanten Besuch. Trifft eine attraktive Frau unmittelbar beim
Heraustreten aus dem Haus auf Schafe, liege ihr die Männerwelt sozusagen zu
Füssen. Dieses Omen ist in einer Stadt aber selbst schon ein Glücksfall.
Läuft in der Silvesternacht ein Schaf über den Weg, deute es auf einen
Todesfall in der Familie, glaubte man im Erzgebirge. Manche differenzieren,
ob es von rechts oder links komme.
Schäfchen zur Linken, tut Freude winken.
Schäfchen zur Rechten, da gibt's was zu fechten!
Doch über Glücks- und Unglückszuordnung herrscht selten Einigkeit. Trifft
man jedoch einen Hammel, der sich von links nähert, finde man überall eine
gute Aufnahme, wohin man sich auch wende. Flieht der Hammel bei der
Begegnung, muss man wohl mit dem Gegenteil rechnen.
Die Ägomantie, Weissagung durch Ziegen, erwähnten bereits die
Kirchenschriftsteller Tertullian und Clemens von Alexandria im 2.
Jahrhundert nach Christus Leider vergassen sie zu berichten, wie es genau
funktionierte. Herumziehende »Magier« hatten Ziegen offensichtlich eigens
dazu abgerichtet. Bei den Langobarden soll ein Ziegenkopf zur Befragung
gedient haben. Als archaisches Symbol der Wachstumskraft und als
Vegetationsdämon schienen vor allem schwarze Ziegen prädestiniert,
beängstigende Naturturbulenzen und deren Folgen wie Hungersnöte oder
Ernteausfall vorauszuahnen.
Ihr Erscheinen galt und gilt im Allgemeinen als böses Omen. Begegnet dir
eine Ziege auf dem Weg zum Einkauf, so erhältst du im Geschäft deine Ware
nicht. Träume von Ziegen sollen allerdings auf eine Erbschaft verweisen.
Doch was Tiersymbolik angeht, greife man lieber zu einem Fachlexikon. Eine
Ziege war es wohl auch, die den geheimnisvollen Erdschlund in Delphi
entdeckt haben soll, dessen intensive Ausdünstung selbst sie in einen
ekstatischen Zustand versetzte. Heute scheint diese Art der Mantik so gut
wie völlig aus der Mode gekommen, und Wissenschaftler haben herausgefunden,
dass es nie einen ausdünstenden Erdschlund in Delphi gab. |