Studienlehrgang über Träume und Traumdeutung
 
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Salzorakel

Die Überlieferung schrieb Salz eine erhaltende, schützend-bannende und reinigende Kraft zu. In der mittelalterlichen Alchemie symbolisierte Salz die innere Natur des Menschen, die alles Irdische ursächlich aus sich heraus zeugt, das Unterbewusstsein. Die gleiche Kraft, die alles schafft, holt sich auch alles wieder zurück.
War ein Arzt fern, unglaubwürdig oder unsicher, half das Salzorakel. Man betrat mit Salz in der Hand schweigend ein Krankenzimmer. Wurde das Salz feucht, glaubte man, der Kranke müsse sterben. Wer in der Weihnachtsmette neun Sorten Salz bei sich trage, erschaue alle, die im nächsten Jahre sterben.
Auch beim Salzhäufchenorakel, der Sah-, Halo- oder Alomantie, geht es zumeist um Leben und Tod. Dazu muss ein solches Häufchen, oft mit dem Fingerhut geformt, über Nacht seine Form bewahren. Findet man es aber am Morgen eingefallen, drohe der Exitus.
Als Variante lege man Salz auf ein Efeublatt, auf eine Nuss- oder Zwiebelschale. Ist das Salz am Morgen nicht zusammengefallen und noch trocken, kann eine Krankheit oder Katastrophe überlebt werden. Ist das Salzhäufchen hingegen zusammengefallen, aber trocken geblieben oder aufrecht stehen geblieben, aber nass, dann muss die Intuition herhalten. Ein nasses und auseinander gefallenes Häufchen lässt wohl keinerlei Hoffnung mehr zu.
Als so genannte Lostage dienen der Silvesterabend und der Heilige Abend, zur Not funktioniert es auch auf Andreas, Matthäus und Aschermittwoch. Einen ganz besonderen Grad von Weissagungsschärfe erzielt man mit Salz, das am Dreikönigstag geweiht wurde. Wer aber dabei das Salz verschüttet, der erhält nicht nur ein vages Orakel; dem drohe allerlei Unbill. Ausserdem muss er jedes Körnchen suchen und finden, bevor sich für ihn die Himmelstür öffne.
Ist das Essen versalzen, soll die Köchin verliebt sein. Setzt sich ein Mädchen unfreiwillig auf den Salzvorrat, müsse es einen Witwer heiraten. Wer einen Vogel fangen will, muss ihm Salz auf den Schwanz streuen. Findet man gestreutes Salz auf einem Schwanz, gebe es immer jemanden, der auch den Rest einfangen will.

 

 

 

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