Studienlehrgang über Träume und Traumdeutung
 
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Runen

Für die Priester der Germanen, die Goden, waren die Runen (Geheimnis, geheimnisvolle Kunde) göttlichen Ursprungs. Auf dem westgotischen Stein von Noleby heisst es »eine Rune male ich, eine von den Ratern (den göttlichen Mächten) stammende« (runo fahi raginakundo). Und in der Edda (im Hävamäl) wird der Mythos der Runenfindung durch den Gott Odin erzählt.
Runen waren nicht einfach tote Buchstaben. Sie verkörperten übermächtige Kräfte und konnten als lebende Wesen aufgefasst werden. Ihre »sechs Krieger« nannte die Zauberin Busba sechs Runen, die sie in einem Fluch gegen den isländischen König Hring einsetzte.
Die Runen konnten zu allerlei Zauber gebraucht werden. Die Runenmeister (Runenmagiker) kannten Siegrunen (zur Herstellung von Schwertern mit magischen Eigenschaften), Brandungsrunen (zur Besänftigung von Sturm und Wellen), Heilungsrunen, Bergerunen (bei der Geburt), Rederunen (um gut und klug zu sprechen), Löserunen (wenn jemand in Gefangenschaft geraten war) und Runen zum Besprechen (etwa zum Stumpfmachen der Schwerter von Feinden).
Schmuckgegenstände, auf denen Runen angebracht wurden, bekamen dadurch den Rang von Amuletten. Auf einem runden Goldplättchen, das bei einer Ausgrabung gefunden wurde, steht zum Beispiel »Hariuha heisse ich, der Gefährliches Wissende. Ich gebe Heil (gibu auja)«. Neben diesen Runen befindet sich noch ein runenähnliches tannenbaumartiges Sinnzeichen. Als »Waldhund« (= Wolf), Rabe und Habicht bezeichneten sich andere Runenritzer. Wieder ein anderer Runenmeister nennt sich glanzäugig (gliaugiR). Er hatte den »scharfen Blick«, die Gabe des zweiten Gesichts. In ein Amulett ritzte er: »Ich der Glanzäugige weihe diese Runen.«
Runen als Grabbannungsformeln auf Gedenksteine gesetzt können auch einen eigenen Humor zeigen: »Geniesse des Grabes wohl« (niut val kumis), fordern sie den Leichnam auf, was heissen sollte, bleib ja da, wo wir dich unter die Erde gebracht haben. Runen dienten als Schutz vor wiedergehenden Toten (»dieser Schmuck ist Schutz gegen Tote«, sigli's nähle) und zur Abschreckung von Grabschändern, die, wenn sie das Grab öffneten, gleichzeitig den Toten zum Wiedergehen ermunterten (»dieser Platz ist von Unholden bedroht«, flagda-faikinaR).
Mit speziellen Bierrunen konnte man ein vergiftetes Bier neutralisieren. Als dem Runenmeister Egil Skalagrimsson bei einem Fest ein Horn mit vergiftetem Bier gereicht wurde, ritzte er einen Zauber in das Horn, gab sein Blut dazu und sang: »Ich ritze Runen auf das Horn, röte den Spruch mit Blut.«
Runen dienten beim Losorakel zur Weissagung. Tacitus gibt im zehnten Kapitel seiner »Germania« eine Beschreibung:
»Auf Vorzeichen und Losorakel achtet niemand so viel wie die Germanen. Das Verfahren beim Losen ist einfach. Sie schneiden von einem fruchttragenden Baum einen Zweig ab und zerteilen ihn in kleine Stücke; diese machen sie durch Zeichen kenntlich und streuen sie planlos und wie es der Zufall will auf ein weisses Laken. Dann betet bei einer öffentlichen Befragung der Stammespriester, bei einer privaten der Hausvater zu den Göttern, hebt, gen Himmel blickend, nacheinander drei Zweigstücke auf und deutet sie nach den vorher eingeritzten Zeichen. Lautet das Ergebnis ungünstig, so findet am gleichen Tage keine Befragung mehr über denselben Gegenstand statt; lautet es jedoch günstig, so muss es noch durch Vorzeichen bestätigt werden.«
Fruchttragende Bäume galten als Sinnbilder des Segens. Bevorzugt wurden Stäbe von Buchen verwendet (daher stammt unser Wort »Buchstabe«). Die Götter selbst, so wird in der Edda erzählt, orakelten mit Runen. Als sie einmal Lust auf ein Gelage hatten, schüttelten sie Runenzweige und beschauten das darauf gegossene Opferblut. Sie fanden heraus, dass bei dem Riesen Algi Überfluss herrschte, was ihn für sie auf der Stelle zum idealen Gastgeber machte.
Seit den achtziger Jahren sind zahlreiche Runenwerforakel erhältlich, bei denen mit den 24 Runen des älteren Furthark aus Steinen, Glas, Holz, Plastik oder mit Runenkarten wahr gesagt wird.
Das folgende Vorgehen wird beim Runenwerfen empfohlen:
Die Steine oder Karten werden umgedreht ausgelegt und gut gemischt. Die fragende Person nimmt drei Steine/Karten. Das erste Zeichen steht für die Vergangenheit, das zweite für die Gegenwart und das dritte für die Zukunft. Aus der Analyse der drei Zeichen und ihrem Bezug zueinander wird die Deutung abgeleitet.
Hat der Klient nur eine Frage oder sucht er einen Rat, lässt man ihn einen Stein / eine Karte ziehen und interpretiert diese für die Antwort.
In der Kunst der Runendeutung weiter Fortgeschrittene legen der fragenden Person aus den umgedreht liegenden Steinen eine »Runenuhr«. 13 Steine werden gezogen. Es wird mit der Neun-Uhr-Position begonnen. Der 13. Stein wird als Repräsentant des Fragenden in die Mittegelegt. Die »Runenuhr« ermöglicht komplexe und differenzierte Aussagen über die fragende Person.

 

9 Uhr Charakter
10 Uhr Wohlstand
11 Uhr Familie
12 Uhr Wohnverhältnisse
13 Uhr Selbstverwirklichung
14 Uhr Gesundheit
15 Uhr Ehe/Partnerschaft
16 Uhr Geerbte Eigenschaften
17 Uhr Erziehung
18 Uhr Beruf, Karriereaussichten
19 Uhr Freunde
20 Uhr Intuition, Kreativität

 

Über die Bedeutung der gezogenen Runen informieren Bücher der Runenkunde, zum Beispiel Ralph Blums »Runen«, Kenneth Meadows Buch »Runen«, das »Buch der Runen« von Zoltan Szabo (2002), der »Ruf der Runen« von Igor Warneck (2001) und Axel Brücks »Die Runentexte«. Von Geza von Nemenyi gibt es ein Runenhandbuch »Heilige Runen-Zauberzeichen des Nordens«, in dem ausführlich auch über Runentänze, Runenmudras und die Meditation mit Runen berichtet wird.
 

 

 

 

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