Studienlehrgang über Träume und Traumdeutung
 
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Pendeln

Pendeln, eine beliebte und besonders häufige Form privater Wahrsagung, erfordert höchste Zurückhaltung an Gefühlen, will man sich nicht selbst betrügen. Als Pendel eignet sich alles, was als kleines Schwergewicht an einen Faden gehängt werden kann: Steine, Schlüssel, Ringe, besonders kegelartige Dinge. Mit silbernen und goldenen spiralförmigen Pendeln, die es zu kaufen gibt, gewinnt der Vorgang direkt professionellen Charakter. Andere schwören auf den Erbring oder Erbschlüssel, befestigt an einem langen weiblichen Ahnenhaar.
Im Allgemeinen gilt eine Linksdrehung des Pendels als verneinend, die Rechtsdrehung als bejahend. Doch das lässt sich mit dem Unterbewusstsein, was man ja immer befragt, auch anders aushandeln. Die Schnur sollte über den Handrücken laufen, während sie mit Daumen und Zeigefinger gehalten wird. Alle Gedanken, Wünsche und Befürchtungen müssen beiseite geschoben, Uhren und Ringe an der Hand sollten als mögliche Magneteinflüsse ausgezogen werden. Das Pendel braucht zu Beginn die völlige Ruhestellung. Der Arm sollte so abgestützt sein, dass man nicht zittert. Nur so lassen sich objektive Ergebnisse erzielen. Irgendwann beginnt es bei den meisten Anwendern vorsichtig und oft dann sogar recht heftig auszuschlagen.
Mit dieser Methode lässt sich so ziemlich alles erfragen. Manche versuchen sogar, damit die richtige Wahl der Aktie, des Wagentyps oder Lebenspartners herauszufinden, die Echtheit von Bildern usw., und manche wandern pendelnd durch die Wohnung, um Störquellen zu orten.
Pferdeorakel
Pferde verkörperten seit der Frühzeit des Menschen die unzerstörbar verborgene Lebenskraft in der äusseren und inneren Natur. Aus dieser Kraft war alles geschaffen und würde alles geschaffen werden. Der römische Schriftsteller Tacitus berichtet in »Germania«: »Eine germanische Sitte ... ist es, aus den Vorahnungen und dem Gebaren heiliger Pferde etwas erkunden zu wollen. Diese Pferde, Schimmel, werden von Staats wegen in denselben Hainen und Wäldern gehalten, in denen die Götter verehrt werden, und dürfen durch Arbeit im Dienste der Menschen nicht entweiht werden. Sie werden nur vor den heiligen Wagen gespannt; der Priester und der König oder der Gaufürst gehen dann nebenher, lenken die Rosse und beobachten ihr Wiehern und Schnauben. ... Die Priester halten sich selbst nur für Diener der Götter, in den Pferden dagegen sehen sie Geschöpfe, die in das Wissen der Götter eingeweiht sind.« Bei der Wahl von Darius zum persischen König halfen seine Anhänger etwas nach und führten dem weissagenden Hengst eine prächtige Stute zu. Er wieherte begeistert aus vollem Hals, und die Götter hatten damit für den neuen König gesprochen.
Kein Krieg begann bei den indogermanischen Völkern, ohne die heiligen Rösser vorher über den Ausgang zu befragen. Slawische Stämme bevorzugten eine Art dreifache Panzersperre, wobei jeweils zwei Lanzen mit ihren Spitzen gegeneinander in der Erde steckten. Ein Priester führte nach feierlichen Gebetsformeln das Pferd als Eigentum des angerufenen Gottes auf diese Lanzenlinien zu. Trat es zuerst mit dem linken Fuss hinein, galt dies als sicheres Zeichen für eine Niederlage. Setzte es mit dem rechten Bein an, verhiess dies ein gutes Omen. Der Biograph des Missionars der Westslawen, Bischof Otto von Bamberg, berichtete, dass die Pommern neun Lanzen oder Stangen mit jeweils ungefähr einer Elle Abstand hintereinander legten. Hatten die Hufe des geführten Pferdes eine Lanze berührt oder verrückt, zog man bedenkliche Minen.
In heutigen Zeiten von diffizilen geschäftlichen Interessen bei militärischen Auseinandersetzungen lohnt sich ein Krieg für die eigentlichen Betreiber immer und auf jeden Fall. So sind Götterbefragungen - mit und ohne Pferde und Lanzen - etwas aus der Mode gekommen.
Wer aber heutzutage mit Pferden zu tun hat und auf ihre Weissagung noch etwas hält, dem sei gesagt: unwilliges Pferdewiehern bedeute Unglück; stolpert das Pferd, drohe Unheil; schlägt es nach dem Menschen aus, liege ein Unfall in der Luft; lässt es einen nicht aufsitzen, nahe Ärger; pupt es ungeniert, werde das nächste Kind in unehelicher Beziehung geboren; entleert das Pferd seinen Darm, deute der Mist auf diffizile Fruchtbarkeit.
Wer um Mitternacht Zugang zum Pferdestall hat, soll genau hinhören. Dann sprechen Pferde miteinander über die Zukunft. Manchmal lassen sie sich wohl auch herab, mit den Rindern solche Dinge zu erörtern. Manche behaupten, das geschehe nur in der Silvester- oder Dreikönigsnacht. Merken die Pferde aber, dass jemand horcht, kündigen sie nur Unheil an. Oder sie bleiben bei der halben Wahrheit. Caesars Pferd neigte zur Übertreibung und behauptete, der Feldherr werde die Welt erobern. Und es verschwieg geflissentlich, dass Gegner und Neider ihn dafür umbringen würden.

 

 

 

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