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1493 wurde Theophrastus
Bombastus Aureolus Philippus von Hohenheim (Paracelsus) in dem vielbesuchten
Marien Wallfahrtsort Einsiedeln im Kanton Schwyz geboren. Seine ersten
Lebensjahre verbrachte er im Arzthaus am Bergfluss Sihl, gleich neben der
»Teufelsbrücke«, über die die frommen Pilger aus dem süddeutschen Raum
gingen, um vor dem Standbild der Gottesmutter Beistand zu erbitten. Ab 1502
besuchte Paracelsus die Klosterschule in Villach. Als Scholar beschäftigte
er sich mit den Geheimwissenschaften wie der natürlichen Magie, der Alchemie
und der Astrologie. Ab 1509 zog Paracelsus, der wie sein Vater Arzt werden
wollte, als Gasthörer durch viele Städte in Europa. Er lernte traditionelle
und auch progressive Lehrmeinungen und Methoden kennen.
1516 beschloss er sein Studium in Ferrara mit der Promotion zum Doktor der
Leib- und Wundarznei. Neben dem akademischen Wissen bemühte sich Paracelsus
darum, bei Waldbrüdern (Eremiten), Mönchen, Zigeunern, Badern, alten Frauen
und Schwarzkünstlern die Volksheilkunde kennen zu lernen. Das einfache Volk
war für ihn der Bewahrer von Geheimnissen aus alter Zeit.
Zeitgenossen nahmen an, dieser so wundersam gelehrt wirkende Mensch sei, wie
dies früher die Druiden taten, bei den Geistern in die Schule gegangen.
Liest man in seinem Buch über die Elementargeister hat man den Eindruck,
dass der hellsichtige Paracelsus tatsächlich eine ausserordentliche Nähe zu
diesen Wesen gehabt haben muss. Theophrastus, der nie betete und nichts vom
Papst und nichts von Luther wissen wollte, bekennt freimütig, dass es
seliger sei, die Nymphen zu beschreiben als die Mönchsorden.
Theophrastus ist der erste Mediziner, der mit seinen fünf Büchern »Von den
unsichtbaren Krankheiten und ihren Ursachen« auf psychisch bedingte Leiden
hinweist .
In mehreren Schriften beschäftigte er sich mit dem Erscheinen von »Drachen«
(Kometen), Erdbeben und Regenbögen. Diese Zeichen interpretierte er als
Mahnungen Gottes an die Menschheit, Kriege und Freveltaten zu unterlassen.
Alle Geheimnisse dieser Welt findet Paracelsus im Buch der Natur. »Wer sie
[die Natur] erforschen will, der muss mit den Füssen ihre Bücher treten. Die
Schrift wird durch ihre Buchstaben erforscht, die Natur aber, indem man von
Land zu Land wandert, jedes Land ist ein Blatt.«
Aus äusseren Zeichen, aus der Physiognomia der Dinge muss man, sagt
Paracelsus, erkennen, was für eine Tugend, was für eine innere Kraft,
welches »Arcanum« darin enthalten ist. Beispielhaft zeigte er dies an
Wurzeln und Kräutern: So ist die Wurzel des Knabenkrauts wie eines Mannes
Scham gestaltet und gibt deshalb - als Aphrodisiakum verabreicht - Männern
ihre »verlorene Mannheit und Unkeuschheit« zurück. Die Distel, deren Blätter
wie Nadeln stechen, ist gut zur Behandlung des inwendigen Stechens. Die
Siegwurz, die ein Geflecht um sich hat wie einen Panzer, behütet vor Waffen.
Die Wurz Syderica, die in ihren Blättern die Figur einer Schlange hat,
schützt vor Vergiftungen.
In seiner 1535 entstandenen »Prognostication auf XXIII Jahr zukünftig«
kommentierte er anhand von allegorischen Bildern das Weltgeschehen,
prophezeite den Lauf zukünftiger Dinge und kündete die Rückkehr eines
goldenen Zeitalters für die Menschheit an.
In seinem Buch »Paracelsus, Mediziner - Heiler - Philosoph« deutete der
volkskundliche Schriftsteller Sergius Golowin das 3 . Bild: »In Paracelsus'
Werk finden wir als Zukunftsbild zwei Kinderpaare, die sich nackt auf dem
Balkon eines Schlosses im fröhlichen Tanz drehen. Im dazugehörigen Park
sehen wir Bäume emporwachsen. Bei Freunden sah ich nach dem Vorbild dieses
Holzschnitts ein Bild, das wahrscheinlich aus dem 18. Jahrhundert stammt:
Der Boden, auf dem sich die spielenden Kinder drehen, leuchtet golden. Von
strahlendem Sonnengold erfüllt ist ebenfalls der Himmel, der die tanzenden
Paare überwölbt. Hier scheint der Traum der Weisen verwirklicht zu sein,
denn die menschliche Kultur und die blühende Natur sind keine Gegner mehr.
Paracelsus schreibt zu seiner Zukunftsschau: »Eine so vollkommene Erneuerung
und Veränderung (von Mensch und Welt) wird eintreten, dass die Menschen wie
die Kinder sein werden - die da nichts wissen von den Listen und Ränken der
Alten.«
Aus dem Jahr 1541, Paracelsus' Todesjahr, ist eine Weissagung überliefert,
die auch als sein Testament angesehen wird. Darin sagt er, dass man seine
Grabesruhe stören werde (was eintraf) und dass nach dem Abgang des letzten
österreichischen Kaisers (1918) drei grosse Schätze gefunden werden können.
An einem Ort zwischen Schwaben und Bayern, »aber den Ort nenne ich nicht«,
schreibt Paracelsus, »zu verhüten gross Übel und Blutvergiessen«, liege
seine geheime Kunst verborgen: Die lebensverlängernde und metallumwandelnde
Universaltinktur, auch als trinkbares Gold und Stein der Weisen bekannt.
»Gott der Allmächtige«, sagt Paracelsus und macht uns den Mund wässerig,
»wird durch den, der dieses finden wird in allem Glück und Sieg mit seiner
göttlichen Macht stärken und ihm Gewalt verleihen, damit alles Böse
unterdrückt werde, und alles Gute eröffnet.«
Beim Blick in die Tageszeitungen merken wir leidvoll, dass noch keiner
Paracelsus' Schatz gefunden hat. |