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Am Februar des Jahres
1831 erschien einem Mädchen namens Magdalena Gronbach aus Orlach ein weisser
Geist, bei dessen Erscheinen regelmässig kleine Feuer im Haus ausbrachen.
Der Geist gab sich als die am 12. September 1412 geborene Zisterzienserin
Mariane Susanne von Orlach aus, die von Magdalena, die am selben Tage wie
sie, nur 400 Jahre nach ihr geboren worden sei, »in feiner hochdeutscher
Sprache« Erlösung erflehte. Als das (als Schwäbin recht geschäftstüchtige)
Mädchen den Geist fragte, welche Belohnung ihr dafür gegeben werde, gab
Mariane launig die Antwort: »Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf
Erden.«
Anfang Juni desselben Jahres erschien ihr ein dunkler, bedrohlich schwarzer
Schatten, der Geist eines Kapuziners, der eine grobe, unflätige Sprache
benutzte. Bei seinem Erscheinen hatte Magdalena das Empfinden, als würde sie
von einer kalten Hand im Nacken ergriffen. Sie fiel in Trance und
beantwortete in diesem Zustand Fragen, die gestellt wurden. Bald kamen -
sehr zum Ärger der Obrigkeit - von nah und fern Personen, die Magdalena um
Rat in zukünftigen Dingen fragten.
Der Weinsberger Oberamtsarzt Justinus Kerner, der schon den Fall der Seherin
Friederike Hauffe (1801 - 1829) untersucht und dokumentiert hatte (»Die
Seherin von Prevorst. Eröffnungen über das innere Leben der Menschen und
über das Hereinragen einer Geisterwelt in die unsere«), kam - nach
fünfwöchiger Beobachtung von Magdalena - zu dem Schluss, es handele sich um
einen »Zustand des Besessenseyns« (bedeutet, Begeisterung, Besetzung durch
einen Geist). Empört wurde Kerner von einem anderen Arzt in einem offenen
Brief an den Haller Merkur (vom 19. März 1833) attackiert. Diese Diagnose
werde den Aberglauben der Öffentlichkeit vermehren, schrieb er. Er sei fest
überzeugt, »dass, wenn nicht die Anfälle aus irgendeinem Grund ganz
simuliert waren, doch gewiss ein merkwürdiger Mittelzustand zwischen halb
simuliertem, halb wirklichem Wahnsinn stattfand«. Eine Rüge verdiene es,
dass Magdalena einem Mann zur Behandlung überlassen worden sei, »der selbst
schon Geister gesehen zu haben glaubt«. Tatsächlich berichtete Kerner in
seinen Schriften öfter davon, wie er selbst Zeuge vom Wirken unsichtbarer
Mächte gewesen sei. Kerner war überzeugt, dass überall im Reich der Natur
Geistwesen existieren. Er versuchte, sie über Klecksbilder, die er mit Hilfe
von gefärbten Tinten, Druckerschwärze oder Kaffee und einer speziellen
Falttechnik anfertigte, aus der anderen Welt »herüberzulocken« und -
zumindest ihr Abbild - auf Papier zu bannen. In seinen 1890 posthum
veröffentlichten »Hades- und Höllenbildern« sind zahlreiche solcher
Klecksographien zu sehen. In seiner 1853 erschienenen Schrift »Die
somnambülen Tische« erklärte er das Phänomen des Tischrückens durch den
»Nervengeist«, der aus den Händen der Experimentatoren sich entbindet und in
den Tisch überströmt.
Die Eltern wie auch Magdalena galten nach dem Zeugnis der Umgebung als
rechtschaffen, ordentlich und brav. Für den Ortspfarrer bestand nicht der
leiseste Verdacht, dass eine Betrügerei oder eine religiöse Obsession
vorliegen könne. Als die Familie auf das Begehren der Geister einging,
nämlich ihr Wohnhaus, das nach Auskunft der Geister auf dem Ort eines
ehemaligen, durch Mordtaten entweihten Klosters stand, abzureissen,
verabschiedete sich der weisse Geist am 4. März 1833 von Magdalena mit einem
feurigen Händedruck. Mit dem Abriss des Hauses beendeten die Geister ihr
Erscheinen. Wo die Familie fortan wohnte, ist nicht überliefert. |