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Früher, als Münzen noch
ein Kreuz trugen wie der Kreuzer, hatten sie per se eine besondere Kraft in
sich. Das Eichenblatt des alten Groschens nahm heimlich Bezug zum alten
Blitzgott Donar/Thor, im übertragenen Sinne, zum Blitz der Intuition. Wie
sich der Euro-Dekor bewährt, müssen wir noch herausfinden.
Juckt es in der linken Hand, bekomme man Geld, juckt es in der rechten,
müsse man Geld hergeben. »Münzen zählen« soll sie vermehren. Aber nur zu
bestimmten Tagen wie Christi Himmelfahrt oder in der Christnacht, und auch
wiederum nur bei zunehmendem Mond. Wer täglich zählt, dem fallen frühzeitig
die Haare aus, und das Geld werde dann weniger. 3o Münzen auf den Kreuzweg
in einen Kreis gelegt und während des Messeläutens vor- und rückwärts
gezählt bewirke übrigens, dass der Teufel die 31. Münze hinzugeben muss.
Seit alters wird die Münze für binäre Abfragen genutzt: Soll ich oder soll
ich nicht? Vielfach wirft der Schiedsrichter vor Anpfiff eines
Fussballspiels für die Findung der Seitenwahl zwischen den Kapitänen der
Mannschaften das Münzorakel. Früher hiess es: Zahl oder Adler? Heute muss es
heissen: Zahl oder Tor? In »Demoscopia. Vorstellungen zur Zukunft« bevorzugt
einer der Autoren die irische Pfundmünze. Auf der einen Seite trägt sie die
Abbildung eines Hirsches, auf der anderen Seite eine Harfe. »Der Hirsch
steht immer für ich tu etwas und die Harfe für ich sitze da und lass es
klingen.«
Früher, als man zum Beispiel für grosse Bitten oder grosses Leid noch
Wallfahrten auf sich nahm, konnte man durch das Wallfahrtsorakel den
richtigen Ort herausfinden. Dazu schrieb man verschiedene Orte an den Rand
einer flachen, mit Wasser gefüllten Schüssel oder eines Beckens und warf
eine Münze schräg hinein. Der Zettel, dem die Münze am nächsten war, schien
dann das geeignete Wallfahrtsziel zu bestimmen. Doch sollte man für dieses
Orakel insgesamt neun Zeugen finden, die vorher bei Wasser und Brot drei
Tage fasten und täglich 25 Vaterunser beten, betonen Kenner des Verfahrens. |