|
Das sechste und siebente
Buch Mosis«, das lediglich den Namen von Moses für den Titel benutzt, gehört
bis heute zur magischen Hausväterliteratur der Landbevölkerung. Allein das
Buch im Haus zu haben brachte dem Besitzer Glück und hielt Unheil ab. Bei
Hausabbrüchen findet man gelegentlich noch ein Exemplar, das im Dach
eingemauert war, um das Haus vor Hagel, Sturm und Blitz zu bewahren. Oder es
war als allschützendes Amulett unter der Türschwelle vergraben worden. Neben
Beschwörungen enthält das Buch Schutzgebete, Volks- und Hausmittel,
Liebeszauber, Mittel, um mit den Toten zu sprechen und um Schätze zu heben,
Himmelsbriefe, Segenssprüche, Angaben zur richtigen Saatzeit, sympathetische
Mittel und Bannsprüche. So soll eine frisch verheiratete Frau unbedingt vor
ihrem Mann in das neue Heim treten und dabei dreimal sprechen: »Ich bin der
Wolf und du das Schaf.«
Dadurch erhält sie in ihrer Ehe die Herrschaft über den Mann. Um sich vor
Begegnungen mit Hexen zu schützen, verfährt man folgendermassen: Man zieht
zweierlei Schuh an, oder das Hemd oder einen Strumpf verkehrt. Das Haus
schützt man durch eine »Unruhe« an der Stubendecke. Das ist ein in
Taubenform zusammengestellter Knochen vom Kopf eines Karpfens oder ein
ausgeblasenes Ei, das man mit Kopf und Papierflügeln versieht. Die stete
Bewegung der »Unruhe« vertreibt die Hexe.
Das Buch nennt in Verbindung mit den Wochentagen auch Vorzeichen, die auf
zukünftige Ereignisse hinweisen: »Niest man nüchtern am Sonntag, so deutet
das auf angenehme Gesellschaft, am Montag auf ein Geschenk, am Dienstag auf
ein Getränk, am Mittwoch auf einen Brief, am Donnerstag geht alles schief,
am Freitag auf Glück, am Sonnabend geht manches zurück.« Weitere auf
körperliche Besonderheiten bezogene Vorzeichen: »Hat jemand weite
Zwischenräume in der vorderen Zahnreihe, so wird er weit reisen. Wenn ein
Kind weit voneinander stehende Zähne bekommt, wird es viel in der Welt
herumkommen. Wenn einem ein Floh auf der Stirn sitzt, bedeutet es Krieg, auf
der Hand einen Brief. Juckt einem die linke Hand, so bekommt man Geld, juckt
einem die rechte, so gibt man welches aus. Jucken des Daumens allein
bedeutet Geldausgeben. Wenn es einem im rechten Ohr klingt, dann reden die
Leute von einem Gutes, klingt es im linken Ohr, dann reden sie von einem
Böses. Auch Schlucken bedeutet, dass von einem, sei es im Guten oder Bösen,
viel gesprochen wird.«
Auch über die Beantwortung von Fragen, die die Zukunft betreffen, berät
»Mosis magische Geisterkunde«. Zwei Beispiele: »Wollen Mädchen erfahren,
welches von mehreren zuerst heiratet, so bringen sie zu diesem Zwecke ein
Zettelchen mit ihrem Namen in ein Tonkügelchen, sollen dies trocknen und
werfen die Tonkügelchen am Silvesterabend in ein Gefäss mit Wasser.
Diejenige nun wird im folgenden Jahr heiraten, deren Zettel obenauf
schwimmt.« / »Wenn Mädchen in der Johannisnacht zwischen 11 und 12 Uhr
nachts, ohne zu sprechen, aus neun Blumensorten Kränze winden, so sehen sie
im Traum ihren Zukünftigen.«
Ein Braunschweiger Gericht verurteilte 1956 die Herausgeber des Nachdrucks
zu empfindlichen Geldstrafen, Prägestöcke und Druckplatten wurden
eingezogen. In zweiter Instanz wurde das Urteil wundersamerweise wieder
aufgehoben, das Zauberbuch durfte weitergedruckt werden. |