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Heiler in ganz Südamerika
diagnostizieren bei Mensch und Tier mit Meerschweinchen schwarze Magie und
psychosomatische Erkrankungen. Das Verfahren reicht weit in die
Vergangenheit zurück und wirft ein weiteres interessantes Bild auf die
antiken Eingeweideorakel.
Traditionell werden die Meerschweinchen (cuy), die allerdings auch zum
festen Speiseplan der Andenbewohner gehören, dazu in einem mit Steinen
abgegrenzten Bezirk nahe der Kochstelle gezüchtet. In Peru reibt der
Medizinmann zur cuy-Reinigung den ganzen Körper des Patienten mit dem Tier
ab, unter ständigem Gebet an die Sonne, die Elemente und vorsichtshalber
auch an die christlichen Heiligen. Besonders widmet er sich bei dieser
Massage den Bereichen der psychischen Zentren und der Kopfgegend. Leidet der
Patient an Behexung durch schwarze Magie oder an anderen psychosomatischen
Beeinträchtigungen, bricht angeblich oft das Rückgrat des Tieres und es
stirbt, während man den Körper damit abreibt. Männliche Meerschweinchen
werden zur Diagnose bei Männern, weibliche bei Frauen verwendet. Sie dienen
quasi als eine primitive Art von Röntgenschirm, und man glaubt, das Tier sei
so empfindlich, dass es alle nervlichen Krankheiten und Störungen der
psychischen Zentren (Chakren) absorbiert.
Dann werden die Meerschweinchen meist mit dem Daumennagel aufgeschlitzt.
Auch das geschieht unter ständigem Gebet und gilt als Opferung. Die
Krankheit ist nun aus dem Körper des Patienten entfernt und spiegelt sich in
den analogen Körperteilen und Organen des Tieres wider. Leider müssen dann
die Tiere möglichst noch lebendig enthäutet und ihre Organe untersucht
werden, während ihr Herz noch schlägt. Als Erstes betrachten sie, aus
welchen Teilen des Körpers Blut austritt und welche Teile der Eingeweide
sich bewegen. Die Medizinmänner glauben, dass mit der cuy-Reinigung die
Krankheitssymptome zwar verschwinden, doch in vielen Fällen die Grundursache
noch vorhanden sei. Auch diese manifestiere sich beim Meerschweinchen.
Oft wird das Meerschweinchenorakel nur vom Grundsatz her befragt: Überlebt
der Patient oder nicht? Dies beantworten Herz und Leber des Tieres. Schlägt
das Herz noch nach dem Aufschlitzen oder nicht? Noch sicherer zeigt es die
Leber an, die herausgeholt werden muss. Ist sie bereits schwarz, muss der
Patient sterben. Zeigt sie eine weisse Färbung, stehen die Chancen gut.
Die Interpretation der zahlreichen weiteren Zeichen gleicht bis ins Detail
derjenigen, die von Inka-Heilern des 16. und 17. Jahrhunderts berichtet
wird; aber auch denen aus der europäischen Antike. Unterschiede bleiben nur
peripher.
Walter Andritzky berichtet: »Melchior Salomon, bei dem ich zwanzig
Meerschweinchenreinigungen beobachten konnte, erklärte die Wirkungsweise der
Methode damit, dass das Tier besonders sensible Zellen besitze, welche die
negative Energie, als die jede Störung aufgefasst wird, aus dem Körper des
Patienten ziehe.
Diese Auffassung konvergiert mit bioenergetischen Theorien der
Krankheitsentstehung, die von der Annahme einer informationsübertragenden
Zellstrahlung ausgehen. Nach diesem Modell könnte der Organismus des Tieres
das gestörte Biofeld des Patienten in gewisser Weise absorbieren.« |