Studienlehrgang über Träume und Traumdeutung
 
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Weissagungen, Visionen, Prophezeiungen, Orakel
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Malta

Als 1902 der Leiter des maltesischen Museums, Professor Zammit, das neolithische Hypogeum in Malta ausgrub, glaubte er, dieser Haupttempel sei ursprünglich als ein Mysterienheiligtum geschaffen worden. Dieser »im Leib der Erde verborgene Tempel« hätte auch dazu gedient, Schüler in die magischen Riten einer früheren Religion zu initiieren. Das Heiligtum betritt man über eine vier Meter lange Rampe und gelangt in einen grossen Raum mit gewölbter Steindecke voller Pentagramme und Spiralen. In diesem Vorraum befindet sich ein Schallloch. Wenn ein leiser tiefer Ton darin tönt, vibriert der Raum und intensiviert die menschliche Stimme derart, dass sie im ganzen Höhlensystem hörbar wird.
Auch in den Tempeln von Tarxien, Hagar Qim und Mnajdra finden sich Räumlichkeiten, die entfernt an Beichtstühle erinnern und möglicherweise als Orakelstätten genutzt wurden. Priesterinnen oder Priester, vielleicht auch nur eine Art Medizinleute, nahmen die Fragen der Pilger entgegen, gaben Rat, deuteten Träume, weissagten oder kurierten Krankheiten. Man kann sich leicht den psychologischen Effekt vorstellen, den solch ein Orakel auf den Menschen der Frühzeit ausüben musste: ausserhalb eines - höchstens durch ein flackerndes Öllämpchen schwach erleuchteten - finsteren Raumes stehend und angestrengt horchend, musste er glauben, durch die tiefe Stimme, die aus diesem Orakelraum kam, spreche ein Vorfahr, ein übernatürliches Wesen oder gar die Gottheit selbst zu ihm. Manche Hinweise deuten auch darauf, dass man einst in den Sanktuarien, wie noch in der klassischen Antike, den Tempelschlaf vollzog, um im Traum mit den Herrschern der Regenerationskräfte zu verkehren und von ihnen Heilung oder Rat und Weissagung zu erfahren. Sibylle von Reden vermutete auf Malta und Gozo, deren Kleinheit und Armut in keinem Verhältnis zu den Dimensionen und der Menge ihrer Heiligtümer stand, eine Art altmediterranes Delphi; allerdings eines, das nicht dem apollonischen, sondern dem Ur-Delphi ähnelte, der Kultstätte einer weiblichen chthonischen Macht, der Riesenschlange Delphyne, deren Name ein archaisches Wort für Uterus enthält.

 

 

 

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