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Losbücher

Als Nachfolger antiker Spruchsammlungen wie beim Würfelorakel entstanden die so genannten Losbücher. Hier musste der eigentliche Orakelspruch erst mit einem Schlüssel gefunden werden. Die erste bekannte Sammlung dieser Art, das Losbuch des Ägypters Astrampsychos (»Weissagungen für allerlei Fragen«), stammt aus dem 6. Jahrhundert. Hier waren selbst die Fragen festgelegt. Für 92 Fragen gab es 1030 Antworten, die nummeriert und in Zehnergruppen unterteilt waren. Der Konsultierende entschied sich für eine der Fragen oder erloste auch diese schon. Zur Nummer der Frage suchte er eine beliebige Zahl zwischen eins und zehn. Diese zur Fragenummer hinzuaddiert ergab den Schlüssel zur Zehnergruppe der Antworten. Innerhalb dieser Dekade wies dann die Zahl zwischen eins und zehn, für die er sich vorher entschieden hatte, endlich auf das Orakel. Die Antworten, 103 biblischen Gestalten in den Mund gelegt, hielten sich knapp und bündig, hatten aber auch nur recht allgemeine Fragen zu Geschäft, Gesundheit, Reisen oder Familie zu beantworten. Es muss christliche Vorläufer solcher Bücher gegeben haben, die schwerpunktmässig mit scheinbaren Weissagungen der zwölf Apostel arbeiteten.
Auch in der islamischen Welt erfreuten sich solche Bücher grosser Beliebtheit. So genannte Kur'a, von denen die ältesten Pythagoras und Alexander dem Grossen als Urheber zugeschrieben wurden, zeigten eingangs eine Liste aller anerkannten 32 Propheten von Adam bis Mohammed. Ein Sucher tippte blind mit dem Finger auf diese Liste, fand damit einen Propheten und konnte nun dessen Weissagung nachschlagen. Die Systeme wurden ausgeklügelter, und die so genannten Königs- oder Vogellose gaben hochkomplizierte und mit Würfeln verbundene Wege vor, um endlich zu einem Orakelspruch zu gelangen. Diese Art von Losbüchern diente vermutlich als Vorbild für die seit dem 15. Jahrhundert bekannten »Stechbücher«, die mehr der Spielerei dienten. Ihr Name stammt noch aus der Zeit, da man mit einem kleinen Holzstäbchen »ohne weitere Formalitäten« in den geschlossenen Kodex stach, um ihn bei einer beliebigen Seite zu öffnen. Bei diesen Renaissance-Losbüchern und Tierkreiszeichen benannten Stationen durcharbeiten, um zu den eigentlichen Weissagungen zu gelangen, die wiederum - wie bei den arabischen Königslosen -Propheten, Königen oder Vögeln in den Mund gelegt waren. Oft gehörte eine Drehscheibe mit Zeiger oder Karten als Losinstrument dazu.
Von hier aus bedeutete es nur noch einen kurzen Schritt, die Fragen nicht mehr auf ein Orakel, sondern auf Belehrungen zur Förderung der Allgemeinbildung oder Unterhaltung auszurichten. In Form bibliophiler Nachdrucke existieren sie als Gesellschaftsspiele noch heute.

 

 

 

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