Studienlehrgang über Träume und Traumdeutung
 
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Lia Fail, der Schicksalsstein

Am nasskalten Morgen des 15. ,November 1996 übernahm das . Bataillon der schottischen »Argyll and Sutherland Highlanders« zu den Klängen von Dudelsack und Trommeln an der Grenze bei Coldstream einen schlichten Stein, der von England aus auf einem Landrover herantransportiert wurde. Unter der eigens dazu komponierten Melodie »The Return of the Stone« eskortierten sie das kostbare Stück unter grosser Anteilnahme der Bevölkerung zum Burgmuseum von Edinburgh.
Auf diesem über drei Zentner schweren blassrötlichen Sandsteinblock, dem »Stone of Scone«, waren seit dem Jahre 839 alle schottischen Könige inthronisiert worden. Englands König Edward I., der 1296 Schottland eroberte, raubte diesen Stein aus der Burg Scone und schaffte ihn in die Westminster Abbey. Dort lag die Schmach für 700 Jahre unter dem Thron der englischen Könige, die mit ihrem Hintern auf dem Symbol der Eigenständigkeit Schottlands sassen, bis man ihn 1996 wieder herausrückte. Das Geheimnis dieses Steins und sein besonderer Wert lag unter anderem auch darin, dass er einen machtvollen Laut von sich gab, eine Art zustimmendes Brummen, nahm ein rechtmässiger König das erste Mal darauf Platz. Unbestätigt bleibt, dass der Platzhalter mit dem nackten Po thronen musste, was aber im Schottenrock keinen besonderen Aufwand erfordert hätte.
Wehe aber, der Stein schwieg. Ein unwürdiger Aspirant bedeutete ein nicht auszudenkendes unheilvolles Omen. Trotzdem traten manche Kandidaten nicht zurück, obwohl sich das Thronorakel eindeutig gegen sie ausgeschwiegen hatte. Natürlich galt eine solche Krönung als ungültig. Und warum hatte der Stein die ganzen 700 Jahre in der Westminsterabtei geflissentlich geschwiegen, selbst als die jetzige Königin Elisabeth II. 1952 auf ihm gekrönt wurde?
Der Stein von Scone gilt als der Schicksalsstein, Lia Fail, von Tara, der Residenz des alten irischen Hochkönigs, obwohl der dort in den kaum sichtbaren Ruinen noch als dunkler, stumpfer menhirartiger Fels steht. Seine Echtheit wird aber angezweifelt. Jedenfalls wurden auf dem echten Lia Fail schon alle keltischen Hochkönige gekrönt. Gegen Ende des 4. Jahrhunderts sollen die keltischen Scoten bei ihrer Besiedlung Schottlands den Krönungsstein mitgenommen haben. Sie setzten sich im Gebiet der Pikten fest, und im 9. Jahrhundert gewannen sie die Oberherrschaft. Unter ihrem Führer Kenneth Mac Alpin gründeten die Scoten im Piktenzentrum ihre neue Hauptstadt Scone. Kenneth setzte sich einfach vor allen Augen auf diesen Stein und behauptete, damit sei er nun König von ganz Schottland. Fortan mussten alle schottischen Könige erst auf diesem Stein in Scone sitzen, um anerkannt zu werden.
Es gibt aber auch andere Gerüchte. Der Stein soll schon geschwiegen haben, als der mythische Ulsterheld Cuchulainn nach ihm schlug, weil er weder unter ihm noch unter seinem Schützling Lugaid brummen wollte. Als Jesus geboren wurde, hätte er ohnehin für immer geschwiegen. Das wundert nicht, denn die schottische Königslinie soll über die Hochkönige der Iren auf Thea, Tochter des biblischen Königs Sedekias, zurückgehen, eines Nachfahren von König David. Thea sei 585 vor Christus mit Jeremias und Baruch nach Irland gekommen und hätte den Schicksalsstein aus dem Heiligen Land mitgebracht. Lia Fail aber habe noch einmal unter dem grossen König Conn im 2. Jahrhundert nach Christus gebrummt, der ihn wohl »wiederfand«. Doch dies könnte auch bedeuten, dass Conn ihn wieder in den Krönungsdienst integrierte.
Shakespeares »Macbeth« endet mit der Einladung des siegreichen Malcolm an alle Barone: So thanks to all at once and to each one, whom we invite to see us crown'd at Scone. (Trompeten. Alle ab.)

 

 

 

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