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Die Wahrsagung mit Hilfe
eines spiegelnden Gegenstands wurde schon im Altertum praktiziert und ist
heute noch üblich. Alle glatten, glänzenden Flächen finden Verwendung:
Kohle, Aschenbecher, Seifenblasen, Uhrdeckel, Messer, Schwerter,
Metallteller, glatte Steine, blank polierte Schuhe, Fingernägel, eine
bauchige Glasvase, die mit Wasser gefüllt ist. Einige Beispiele:
Für Coinneach Odhar, den »Seher von Brahan«, begann sich der Schleier der
Zeit zu lüften, als ihm seine Mutter einen kleinen blau glänzenden Stein
gab, den sie auf Weisung des Geistes einer Prinzessin in einem Moorsee in
Schottland gefunden hatte.
Um Königin Katharina von Frankreich ihre Fragen über das künftige Geschick
ihrer Söhne beantworten zu können, liess Nostradamus sie in einen Spiegel
sehen und dort die Zukunft schauen.
Als John Dee im Jahre 1581 einmal zum Gebet niederkniete, erschien ihm der
Engel Uriel und überreichte ihm einen Kristall, »ungemein leuchtend,
ungemein hell und prächtig, gross wie ein Ei«. Hierin erschienen Dee und
seinem Assistenten in der Folge viele Geister.
Der zufällige Blick auf den Schein eines Zinngefässes machte den Schuster
Jakob Böhme zum Seher.
Im zweiten Band seines in den siebziger Jahren erschienenen Werks
»Hermetisches ABC« berichtet Karl Spiessberger von einem Mann, der in seinem
Büro durch den Blick auf einen Aschenbecher, in dem sich Sonnenstrahlen
spiegelten, plötzlich in eine Art Selbsthypnose versetzt wird. In dem hellen
Fleck sieht er, wie sich Gesichter und Köpfe herauszuschälen beginnen.
»Zuerst unklar, dann schärfer werdend, zuletzt von einer unheimlichen
Schärfe der Gesichtszüge, wie bei einer Mikroaufnahme. Es waren Männer,
Frauen, Kinder, Bärtige, Glatzköpfe, alte und junge Gesichter.« Als der Mann
zu frösteln begann und eine Gänsehaut bekam, wandte er den Blick, auch in
der Angst Wahnvorstellungen zu entwickeln, schnell ab.
Die meisten Menschen verstehen unter der Kristallomantie (der Kristallschau)
die Benutzung einer »Wahrsagekugel«.
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Eine solche Kugel
muss gut geschliffen und blasenfrei sein. Ideal, aber auch sehr teuer,
sind Kugeln aus Bergkristall.
Zur magischen Reinigung wird die Kugel in einen Bach gelegt. Hilfreich
ist es, die Kugel bei Vollmond im Freien Mondlicht aufnehmen zu lassen
und sie so zu energetisieren.
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Die Kugel wird
entweder auf einen Sockel aus dunklem Holz oder auf einen mit schwarzem
Tuch überzogenen Tisch gestellt. Der Raum sollte nur durch eine oder
mehrere Bienenwachskerzen beleuchtet sein.
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Manche Kristallseher
finden es für die Konzentration hilfreich, wenn sie vor der Schau mit
den Händen über die Kugel streichen und dabei Weihrauch, auch als
Schutzräucherung, abbrennen.
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Zur eigentlichen
Schau setze man sich entspannt vor die Kugel und fixiere sie, bis ein
Trancezustand eintritt und Bilder erscheinen oder gar ein Geistwesen.
Wenn die Kugel nicht in
Gebrauch ist, hüllt man sie in ein schwarzes Samt- oder Seidentuch und
verwahrt sie in einem hölzernen Kasten.
Praktiker, die häufig mit dem Kristall arbeiten, betonen, dass es sehr
wichtig ist, ein diszipliniertes und moralisch einwandfreies Leben zu
führen, um gegen die Einflüsterungen der Kristallgeister gewappnet zu sein.
Vor dem Beginn der mantischen Arbeit wird Fasten, Beten, Meditieren und das
Anbringen eines magischen Schutzkreises empfohlen. |