Studienlehrgang über Träume und Traumdeutung
 
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Klartraum

Der Sportpsychologe und Dozent des Psychologischen Fachbereichs der Universität in Frankfurt am Main Paul Tholey erzählte einmal in einer Runde von Studenten, was den Anstoss dazu gegeben hatte, dass er sich fortan engagiert mit dem Gebiet des Klarträumens beschäftigte. In einem immer wiederkehrenden Albtraum war er von einem Tiger bedroht worden, sodass er jede Nacht schweissgebadet aufwachte. In einem Buch von Carlos Castaneda las er zufällig, dass man üben könne, im Traum seine Hände bewusst wahrzunehmen. »Ich probierte deshalb von nun an, in meinem Traum ebenso bewusst anwesend zu sein, um mal zu versuchen, aktiv in das Geschehen einzugreifen. Als der Tiger wieder drohend vor mir stand, fragte ich ihn, wer er sei und was er von mir wolle. Zu meiner Überraschung verwandelte er sich in einen Elefanten, der mich bedrohte. Wiederum fragte ich, wer er sei und was er wolle. Die Verwandlungen in immer neue bedrohliche Tiere gingen noch eine Zeit lang weiter. Ich liess mich aber nicht einschüchtern und fragte jedes Tier aufs Neue, wer es sei und was es wolle. Schliesslich stand mein schon vor Jahren verstorbener Vater, recht verlegen, vor mir und sagte >Hallo Junge, entschuldige, aber ich hätte da noch etwas zu klären, was mir einfach keine Ruhe lässt ...«<
In seinem zusammen mit dem Psychologen Kaleb Utecht geschriebenen Buch »Schöpferisch träumen« definiert Paul Tholey den Klartraum folgendermassen:

  1. Dass man sich völlig darüber im Klaren ist, dass man träumt,

  2. dass man deshalb auch im Traum um die eigene Handlungsfreiheit weiss,

  3. dass der Bewusstseinszustand des Träumers in keiner Weise getrübt ist,

  4. dass alle Sinnesleistungen genauso wie im Wachleben zur Verfügung stehen,

  5. dass eine vollständige Erinnerung an das Wachleben besteht,

  6. dass im Wachen wie im Klartraum eine ebenso vollständige Erinnerung an das bisherige Klartraumleben besteht und

  7. dass man im Wachen wie im Klartraum Klarheit über das hat, was der Traum symbolisiert.

Mit Hilfe spezieller Klartraum gewinnender und bewahrender Techniken lässt sich Kontakt mit dem Unterbewusstsein aufnehmen, lassen sich alte Probleme („Komplexe“ im Jung`schen Sinn) durch das Traum-Ich „im Schlaf“ aufarbeiten, Zukunftsszenarien simulieren, Wünsche ausleben und Fähigkeiten, etwa im Sport, durch Übungen und Probehandlungen im Klartraum für die Zukunft deutlich verbessern, aber auch (wie eingangs geschildert) Albträume entschärfen.
Klarträume wurden schon von den Dichtern Jean Paul und Novalis, von dem Philosophen Descartes, von dem Schriftsteller Robert Louis Stevenson, von dem Komponisten Mozart, dem Mathematiker Böhm und von dem Naturwissenschaftler Ernst Mach berichtet.
Vor Überraschungen ist man aber auch im Klartraum nicht gefeit. Eine Psychologin, die in ihrem Traum von einem übel aussehenden riesengrossen Kerl mit einem erhobenen Knüppel verfolgt wurde, erinnerte sich daran, dass man solche Traumfiguren ansprechen solle. Sie blieb im Traum deshalb stehen und fragte ihren Verfolger, was er wolle. Seine verblüffende Antwort: »Woher soll ich denn das wissen? Dies ist doch dein Traum und ausserdem hast du doch Psychologie studiert und nicht ich ...«

 

 

 

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