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Das alte keltische Irland
pflegte einen Katzenkult, der sich offensichtlich um einen Orakeltempel in
Connought bei Clogh-mag-righcat (heute Clough) zentrierte. Eine schlanke
schwarze Katze, die behaglich auf einem Stuhl von Altsilber ruhte,
beantwortete in einer Höhle Fragen. Fragestellern, die sie zu täuschen oder
zu testen versuchten, gab sie wohl recht grobe Antworten. Ein weiterer
Mittelpunkt dieses Kults war Knowth in der Grafschaft Meath, ein
megalithisches Heiligtum.
Es sei einst die Wohnstatt der Königskatze Irusan gewesen. Irusan hatte die
Ausmasse eines Pflugochsen und soll Seanchan Torpest, den Hohen Ollaven
(Meisterbarde) von Irland, zur Strafe für eine von ihm gedichtete Satire auf
ihrem Rücken entführt haben. Ähnlich der ägyptischen Katzengöttin Bastet
setzte man sie als Ausdruck der Grossen Mutter und Mondgöttin mit Diana
gleich.
Nach alter Auffassung lag im Bereich des (symbolischen) Mondes das
Schatzhaus aller Erinnerung, die Weisheit von dem, was jemals war, ist und
sein wird. Das Symbol Mond wird unserem Unterbewusstsein zugeordnet. Dort
lokalisiert die Psychologie auch das Schatzhaus des kollektiven
Gedächtnisses. Katzen dienten als Ausdruck des Mondes mit seinen Zyklen:
Wachsen, Blühen und Vergehen sowie aller Veränderungen, die sich wie im
vegetativen Kreislauf »auf leisen Sohlen« anpirschen.
In unseren Breiten verkam solcher Glaube samt Verehrung auf ein Niveau
trister Beobachtungsfehler und falscher Beziehungsverflechtungen. Besuch
komme, wenn die Katze einen Buckel macht, sich putzt und dabei mit der Pfote
hinter das Ohr streicht. Das Putzen des rechten Ohres deute auf vornehme
oder gern gesehene Gäste, das Lecken der linken Pfote stelle unangenehme
Leute in Aussicht. Bearbeitet sie beim Putz vornehmlich das Gesicht, müsse
es weiblicher Besuch sein; männlicher nahe, wäscht sie sich den Rücken.
Leckt die Katze sich den Hintern oder frisst Gras, gebe es Regen, drehe sie
den Schwanz zum Ofen oder Herd, kühle es drastisch ab. Trinke sie Wasser
oder niese sie, muss mit Schneefall gerechnet werden. Leckt sie sich das
Fell gegen den Strich, kratzt sich am Schwanz oder reibt sich am Tischbein
oder Besen, komme Sturm auf. Will sie nicht aus dem Haus, solle man auch
daheim bleiben.
Nicht auszudenken, was alles passieren könne, miaut eine Katze jämmerlich in
der Nähe des Hauses, fallen zwei aggressiv übereinander her und habe gar
eine fremde Katze Haus oder Wohnung betreten. Sass vor der Trauung eine
Katze am Altar, gab man keinen Pfifferling mehr auf die Ehe. Läuft morgens
eine schwarze Katze über den Weg oder zwischen die Beine, helfe nur noch,
einen Stein über den Weg zu werfen und dreimal hinterher zu spucken, um das
Unheil noch abzuwenden.
Von den schottischen Gälen ist eine grausliche Form des Orakels überliefert,
das taghgairm. Dabei soll eine lebende Katze am Spiess über einem Feuer
geröstet worden sein, bis andere Katzen erschienen und das Opfer retteten,
indem sie alle anstehenden Fragen beantworteten. |