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Unsere heutigen
Spielkarten sollen auf die ältesten Tarotkarten zurückgehen, die etwa im 13.
Jahrhundert in Fes (Marokko) entstanden sein dürften und mit den Kreuzzügen
nach Europa kamen. Sie fanden rasch so grosse Beliebtheit, dass sie sich in
vielerlei Arten verbreiteten und schliesslich der allgemeinen Unterhaltung
dienten. Nicht nur das. Das Kartenspiel weckte solche Leidenschaften, dass
bald ein Einsatz gefordert wurde und manche sich in den Ruin, sogar um Kopf
und Kragen spielten. So ist es erklärlich, dass der Teufel im Ruf stand,
stets die Nähe der Karten zu suchen und sie auch erfunden zu haben.
Seit 1487 eroberten Karten mit Lossprüchen den Markt. Solche Lossprüche
wurden später direkt auf die Wahrsagekarten gedruckt. Dabei scheint die
Wahrsagerei mit den Spielkarten fast ausschliesslich in den Händen von
Frauen gelegen zu haben und noch zu liegen. Das Grundprinzip ist einfach,
auch wenn die Zuordnungen zu den Karten etwas variieren können. Der Kunde
bekommt eine Karte zugeteilt, die dann wieder zu den anderen Karten zurück
muss in den Stapel. Jetzt wird gründlich gemischt und dann ausgelegt. Die
Deutung hängt davon ab, wo die Karte des Fragestellers liegt, die jetzt in
Beziehung zu den anderen gesetzt wird. Dabei weise eine Anhäufung von Herz
im Allgemeinen auf Glück im privaten Bereich, von Pik auf bedrohliche
Änderungen, auf Fragen von Stärke und Durchsetzung. Karo ziele auf
Veränderungen, äussere und innere, während Kreuz Kränkungen und
Feindschaften signalisiere, sich ansonsten mehr auf Arbeit, Realität, Geld
und materielle Dinge beziehe.
Handbücher bieten detailreiche, aber recht unterschiedliche Deutungen der
einzelnen Karten und Positionen beim Auslegen an. Wer zur Orakelfindung
damit arbeiten möchte, sollte bei einem System bleiben und auch nur ein
Kartenspiel benutzen, damit sich eine subtile wie fruchtbare Beziehung
aufbauen kann und die Karten tatsächlich zum Vehikel von Botschaften aus dem
Inneren werden.
Neben den gängigen Spiel- und Tarockkarten finden sich auf dem Markt eine
Fülle von so genannten Orakelkartensets, die auf tief greifender Symbolik
aufgebaut sein sollen. Doch Symbolik, die Sprache unseres Unterbewusstseins,
hat ihre festen Bilder und so genannten Archetypen, mit denen es arbeitet
und mit uns kommuniziert. Die meisten der kreativ gestalteten, aber
erfundenen Bilder - das gilt ebenso für viele Tarotkarten - haben aber
nichts mit korrekter Symbolsprache zu tun. Sie führen deswegen auch nicht zu
klaren, eindeutigen Botschaften und erzeugen eher Wirrwarr.
Unter den seriösen Angeboten möchten wir »Symbolon« erwähnen, »das Spiel der
Erinnerungen«, von Therapeuten ausgearbeitet. Es wendet sich aber nicht
direkt an die Zukunft, sondern an das Vergangene, »aus dem es eine
Erinnerung in die Gegenwart hinein zurückerstatten möchte«. Mit diesen
Bausteinen für das »Erkenne dich selbst!« gelingt es uns zielgerechter,
Zukunft zu gestalten. Über dem Dreibein der Pythia zu Delphi soll sich einst
die beschwörende Inschrift befunden haben: »Gib das Verwahrte zurück!«. |