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Schon die alten Römer
nutzten das Glühwürmchenorakel. Auftreten und Leuchten der Käfer boten ein
Zeichen für die Reife der Gerste und die Aussaat der Hirse. Später sollte
das goldene oder grünliche Glitzern den Ort anzeigen, wo Schätze lagen.
Als Kinder nahmen wir das Insekt vorsichtig auf die Hand, hauchten es an und
riefen »Glühwürmchen, flieg!« Flog es daraufhin auf, verhiess dies Gutes und
dir Sonne würde scheinen. Bewegte es sich nicht, blieb die Antwort negativ
und es drohte schlechtes Wetter. In Norddeutschland sind auch Fragen über
die Lebensdauer überliefert. An so etwas dachten wir Kinder noch nicht. Aber
wir wagten schon erste Fragen wie: »Muss ich wirklich einmal zur Schule
gehen?« und »Werde ich später, wie der Vater, ein Auto fahren und tun
können, was ich will?« Vor Aufregung bliesen wir dann wohl ein wenig zu
stark, und das Insekt erhob sich beflissen.
Marienkäfer mit ihrem leuchtenden Rot und ihren schwarzen Punkten hoben sich
durch solche Signalwirkung deutlich heraus. Sie spielten eine wichtige Rolle
als Liebesorakel. Setzt sich ein Marienkäfer freiwillig auf jemanden, vor
allem auf die Nase, stehe das Liebesglück vor der Tür. Lässt man ihn von der
Hand los fliegen, gebe er die Richtung an, aus der partnerschaftliches Glück
naht. Fliegt der Käfer aber auf eine Kirche zu, drohe für den weiblichen
Frager das Dasein einer Nonne, hiess es in der Provence.
Marienkäfer lieferten Antworten auf die Grundfragen der Existenz und nach
zeitlicher Dauer. Dazu lässt man einen auf die Hand klettern, hält diese
hoch und zählt die Sekunden, die er sitzen bleibt. Je nach Wunsch bedeuten
die Sekunden Stunden, Tage, Wochen, Monate oder Jahre. Setzt er sich auf die
Fingerkuppe und flattert auf die Frage nach dem künftigen Aufenthalt der
Seele los, deutet der Aufflug, man kommt in den Himmel. Abwärts bedeutet, es
geht in die Hölle, fliegt er geradeaus, muss mit dem Fegefeuer gerechnet
werden. |