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Diese Form der Wahrsagung
betrifft nur Menschen und Haushalte, die noch mit Holz heizen, zumindest
ihren offenen Kamin damit speisen. Holz verkörpert in der Symbolik die
Ganzheit des ursprünglichen Zustands. Aus Holz bestand die Wiege und besteht
meist noch immer der Sarg. Mit dem Holzscheitorakel lässt sich denn auch
mehr Grundsätzliches abfragen. Ursprünglich nur in Fragen zukünftiger
Partner genutzt, bietet es sich auch für die nach eigenen Werten an und nach
allgemeinen Zukunftsaussichten.
Aus dem gelagerten Holz ziehe man wahllos ein Scheit heraus, dessen Qualität
nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Ein tadellos gerade gewachsenes
Stück deutet auf Gutes, Gediegenes, Geradlinigkeit, auf anspruchsvolle
Qualität. Ein krummes, knorriges Scheit zielt mehr auf Umwege,
Individualität statt Stromlinienform, auf notwendige Toleranz in
Angelegenheiten, die eigentlich Brillanz und Attraktivität verlangen. Bei
extrem kurzen oder langen Hölzern kommen Wert oder Unwert auf die
Ausgangsfrage an. Trägt das Scheit noch die volle Rinde, spricht vieles für
Reichtum, Fülle, Aufwand, in negativer Hinsicht für Verhüllung, Maske und
harte Schale. Wirksamer soll das Orakel sein, sucht man sich das Holz aus
einem fremden Haufen, rücklings gegriffen, mit verbundenen Augen oder gar
noch in tiefer Dunkelheit.
Eine Variante nutzt das Zählen der Scheite in der ins Haus geholten vollen
Kiepe. Wenn man nicht gerade unvorsichtigerweise eine Frage stellt, die eine
bestimmte Zahl verlangt, beschränkt sich diese Form des Orakels auf die
Ja-Nein-Möglichkeit. Dabei kann man sich der Tradition anschliessen, gerade
Zahlen als gutes Omen und ungerade als ungünstiges ansehen.
Doch lässt sich so gut wie jedes Orakelsystem auch auf andere Wertigkeiten
ein. Das allerdings muss vorher klar und eindeutig festgelegt werden. Man
kann die Wirksamkeit der Aussagekraft verstärken, wenn man drei Kiepen holt
und das Zählergebnis nur wertet, wiederholt sich die gerade oder ungerade
Zahl mit jedem Mal.
In der Thomasnacht sollen drei Holzscheite, unter das Kopfkissen gelegt, den
Bräutigam zeigen. Interessanter ist es da schon, ein Stück Holz, als sei es
verloren, vor die Haustür zu legen. Bei einer personenbezogenen Frage (wer
war, ist oder wird ...?) kann es recht spannend sein, wer das Scheit
aufhebt, einsteckt oder an der Tür klingelt, um es abzugeben. |