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Überschwemmungen standen
bereits während des Altertums im Verdacht, Warnung oder Strafe der Götter zu
sein. Psychologie und Mystik fanden im Wasser ein geeignetes Symbol, unser
Unterbewusstsein zu charakterisieren. Wenn wir nicht mit unserem Wach- oder
Oberbewusstsein, mit Intellekt und Verstand Vernunft walten lassen, kann es
bei labilen und für ihr Unterbewusstsein sehr offenen Menschen zu
gefährlichen Überflutungen kommen, die in einer Nervenklinik enden. Auch
Drogenkonsum vermag hier die Schleusen und damit die Tore der Unterwelt zu
öffnen.
Doch es gibt Vorzeichen für jede Art von Hochwasser: Drachen, die in Bergen
hausten, aber schon lange als entschlafen oder nur noch als dummes
Sagengespinst galten, brechen unmittelbar vor der Katastrophe hervor. Oder
sie werden auf einer hohen Vorreiterwelle gesichtet. Anderen Orts gleitet
eine Hexe, auf einem Baumstamm sitzend, mit grosser Schnelligkeit den Fluss
herab. Es kann ebenso ein grünes Männlein auf einer riesenhaften Schlange
sein, einen Stab heftig hin und her schwenkend. Trifft man im Flussbett auf
ein Männlein, das mit seinem Stock links und rechts ans Ufer schlägt, werde
es nicht mehr lange dauern, ehe die erste Flutwelle heranrollt. Andere
wollen wenige Tage vor dem Hochwasser den Wassermann auf einem halben Bock
reitend gesehen haben, wie er den Quellbach herabjagte. Fällt im März Nebel,
folge hundert Tage später eine Überschwemmung. Bläst jemand mit einer
Schalmei oder Posaune in eine stark fliessende Quelle, könne als Folge die
Hochwasserkatastrophe apokalyptische Ausmasse annehmen. Im bayerischen
Inntal stellte man in der Weihnachtsnacht eine Schüssel mit Wasser vor die
Tür. War das Wasser durch Niederschlag oder andere Einflüsse am Morgen
übergelaufen, musste man annehmen, im kommenden Jahr trete auch dieser Fluss
über die Ufer. Die Chinesen glauben, da das Wasser dem Yin zugeordnet ist,
dass bei Überschwemmungen das Weibliche bedrohlich überhand nehme.
Meteorologen behaupten, Hochwasser drohe, wenn in den höheren Lagen grössere
Schneemassen schmelzen oder wenn es tagelang wie aus Kübeln schiffe.
Volksmythen sprechen davon, dass ein Riese aus dem Winterschlaf erwacht sei
und starken Druck in der Blase verspüre.
Auch Rabelais' Gargantua (»Gargantua und Pantagruel«), ein Riese, der durch
den Zauber Merlins aus Walfischknochen gezeugt wurde, sorgte für eine
Überschwemmung durch »Dauerpissen«. Er überflutete damit zugleich die
Scholastik und alle überholten wissenschaftlichen Lehrmeinungen, behaupten
die Literaturwissenschaftler. |