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Hesekiel oder Ezechiel
(bedeutet Gott macht stark), Sohn eines Priesters aus Jerusalem, gehörte zu
den Israeliten, die 597 vor Christus nach Babylon deportiert wurden. Fünf
Jahre nach der Vertreibung erlebte er seine Berufung zum Propheten und
wirkte über 20 Jahre unter seinen Landsleuten im Exil, von denen ihn einer
dann ermordet haben soll.
Seine Weissagungen zeichnen zum einen ein düsteres Bild vom Elend und
göttlichen Schreckensgericht über das Volk Israel (bedeutet Volk Gottes) und
Jerusalem. Doch knüpfen sich daran die Heilsverheissungen. Wie ein guter
Hirte werde der Herr sein Volk wieder sammeln und ihm ein neues Reich
errichten. Die Feinde dieses Reiches, Gog und Magog, würden besiegt, der
Tempel wieder aufgebaut. Hesekiel, der »Prophet des Gesetzes«, liefert
genaue architektonische Vorstellungen von dem neuen Tempel samt neuer
Kultvorrichtungen, von der Aufteilung des Landes unter den Stämmen Israels
und einer neuen Stadt mit Namen »Gott ist hier«. Seine detaillierten und
phantastisch anmutenden Beschreibungen in hoher dichterischer Qualität
beeinflussten nachhaltig die jüdischen Vorstellungen und schufen unter
anderem die Vorlage zur Engellehre samt ihrer Gegenkräfte.
Hesekiel und Jeremias heben den Menschen aus der Kollektivverantwortung
heraus und lenken ihre Zeitgenossen darauf hin, die Ursache des Leidens im
eigenen Denken und Handeln zu suchen. So enthalten ihre Weissagungen immer
auch und vor allem eine allgemeine Bedeutungsebene, die zeitlos bleibt und
für jeden gilt, der das endgültige Reich des Friedens in seiner Seele sucht.
Die wohl bekannteste Vision Hesekiels, die auch seine Berufung einleitete,
zeigt Gottes Thronwagen mit seinen ineinander und in jeder Richtung
rollenden, mit Augen bestückten Rädern. In einer feurigen Wolke erkennt er
darin vier Tiere, anzusehen wie Menschen, jedes mit vier Gesichtern und vier
Flügeln: Löwe, Adler, Ochse und Mensch, denen später die vier Evangelisten
zugeordnet wurden. Ersetzt man das vierte Wesen »Mensch« durch die Schlange,
gleicht dieses Bild den Symbolen des frühen mittelmeerischen Kalenders mit
vier Jahreszeiten. Noch heute lehren mystische Schulen, dass man nur die
Gesetze und Zyklen der äusseren Natur studieren muss, um auch die Ordnung
unseres Bewusstseins und unseres Lebens zu erfassen. In Kenntnis dieser
Ordnung lassen sich so manche scheinbaren Schicksalsschläge als
naturbedingte Zerfallserscheinungen begreifen. |