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Von dem Gelehrten Gerbert
(zwischen 940 und 950-1003) berichtet die Sage, er sei bereits als Novize
zur Zauberei verführt worden. Später habe er bei einem Magier die
»vollständige Schwarze Kunst« erlernt. Doch Undank ist der Welten Lohn.
Gerbert stahl seinem Lehrer ein Zauberbuch, beschwor den Teufel und wurde
mit dessen Hilfe Papst (Silvester II.).
Der erste Franzose auf dem Stuhl Petri galt als gelehrtester Mann seiner
Zeit, eine damals allein schon höchst verdächtige Angelegenheit. Ausserdem
hatte der Absolvent der Medizin und Mathematik auf einer arabischen
Hochschule in Spanien studiert und vermutlich auch die arabischen Ziffern
für das Abendland eingeführt. Gerbert erfand nebenbei die erste von
Gewichten angetriebene Uhr, konstruierte ein Astrolabium (einen auf den
Sternenhimmel bezogenen Kompass) für die Seefahrt und vervollkommnete die
Orgel.
Wie Albertus Magnus soll er all diese Geheimnisse einem Sprechenden Kopf als
Orakel abgelauscht haben. Der Teufel, der ihn unentwegt - wie Albertus
Magnus und Agrippa von Nettesheim - in Gestalt eines kleinen Hundes
begleitete, hatte diesem Urbild des Faust versprochen, ihn erst in die Hölle
zu holen, wenn er in Jerusalem eine Messe lese. Daher besuchte Gerbert diese
Stadt erst gar nicht. Als er aber einmal in Rom in einer kleinen Kapelle mit
Namen Jerusalem die Messe las, fühlte sich der Teufel völlig im Recht, ihn
vom Altar weg zu ergreifen. Schnell bereute Gerbert noch seine Sünden. Das
mag ihm geholfen haben. Denn die Pferde, die seinen Leichnam führten,
blieben von selbst vor der Laterankirche stehen. Alle Beteiligten nahmen nun
an, er sei doch noch selig geworden, und begruben ihn dort. Seit dieser Zeit
soll Knochengerassel hinter seiner Grabplatte im Lateran den baldigen Tod
eines Papstes ankündigen.
Die Historiker behaupten stattdessen, der deutsche Kaiser Otto III. habe
seinen einstigen Lehrer Gerbert auf den Papstthron gesetzt, um eine
spirituelle Erneuerung der römisch-katholischen Kirche einzuleiten. Als
Silvester II. bekämpfte Gerbert Ämterkauf und Unsittlichkeit im Leben der
Geistlichen. Die Römer vertrieben aber den »Anhänger des Teufels« samt
seinem Kaiser Otto aus ihrer Stadt nach Spoleto, wo beide kurz nacheinander
starben. |