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Der Begriff »Geomantie«
bezeichnet heute die Lehre von Energiefeldern und -flüssen auf und in der
Erde oder wird mit Feng Shui gleichgesetzt. Früher verstand man darunter das
Erd- oder Sandorakel. Dieses entstand vermutlich in der arabischen Welt und
gelangte im Jahrhundert nach Europa. Anfangs war es die Deutung von Linien
und Mustern im Treibsand. Daraus entwickelte sich die Punktierkunst, ein
umfassendes Divinationssystem, das sogar an einigen Universitäten gelehrt
wurde.
Es beginnt harmlos damit, dass der Frager auf dem Boden in der freien Natur
oder auf Papier nach dem Zufallsprinzip 16 Reihen mit Punkten zeichnet, ohne
letztere zu zählen, von rechts nach links. Agrippa von Nettesheim, der diese
Technik verbreitete, schrieb vor, mit dem Zeigefinger zu arbeiten und die
Erdgeister zu veranlassen, dabei die Hand zu führen. Nun werden diese Punkte
gezählt. Neben eine Reihe mit einer geraden Summe malt man zwei Punkte,
neben eine mit einer ungeraden Summe nur einen. Jeweils vier der
Summierungspunkte ergeben ein Muster und zusammen die vier »Mütter«. Diese
Mütter werden nun mit ihren Mustern von rechts nach links nebeneinander
gesetzt. Ihre vier waagerechten Reihen mit Mustern bilden die »Töchter«. Aus
Müttern und Töchtern lassen sich nun vier »Enkel« und daraus zwei »Zeugen«
herstellen. Aus diesen entsteht der Richter, der zugleich der
Orakelverkünder ist.
Insgesamt gibt es 16 verschiedene Punktkombinationen, die bestimmte
Bezeichnungen und Bedeutungen tragen, verbunden mit Zuordnungen zur
Astrologie, Numerologie und anderen Verfahren. Jetzt werden die Figuren in
ihrem Verhältnis zueinander interpretiert. Die Meister des Verfahrens lösten
mit solchen »Familienaufstellungen« alle Lebensprobleme bis hin zur
möglichen Erbschaft. Wer das Erdorakel selbst durchführen wollte, dem
standen vorgefertigte Deutungslisten zur Verfügung, ähnlich den 'Losbüchern.
Gerhard von buch des Alfadhol übersetzte, warnte davor, die Geomantie bei
»regnerischem, nebeligem, stürmischem Wetter oder in zorniger Stimmung oder
im Drang anderer Geschäfte« durchzuführen. Bei »Ungläubigen« funktioniere es
ohnehin nicht. |