Studienlehrgang über Träume und Traumdeutung
 
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Franz von Assisi

Franziskus (Französchen) rief der reiche Kaufmann Peter Bernardone seinen 1182 in Assisi geborenen Sohn Johannes, weil er als Kind die französischen Minnelieder so schön nachsingen konnte. Einmal Troubadour zu werden war denn auch Franziskus' erster Berufswunsch. Im 25. Lebensjahr träumte Franziskus, sein Haus werde mit Waffen und Kriegsgerät gefüllt sein und eine Stimme sagte, dass dies alles ihm und seinen Rittern gehören werde. Anfänglich nahm Franziskus diesen Traum als Vorzeichen, dass er als Krieger zu Ruhm kommen solle. In einem zweiten Traum fragte ihn die Stimme, ob er Herr oder Knecht sein wolle. Als er antwortete: »Herr«, fragte die Stimme zurück: »Warum suchst du dann den Knecht statt des Herrn?« Franziskus erkannte in der Stimme jetzt die Stimme Gottes, verliess die Schar der Kriegsknechte, der er sich angeschlossen hatte, und kehrte nach Assisi zurück, wo er die Einsamkeit suchte und sich in eine Höhle zurückzog.
Als Franziskus in einem Olivenhain in einem kleinen Kirchlein vor einem grossen byzantinischen Kruzifix um Erleuchtung bat, kam vom Kruzifix eine Stimme und sagte zu ihm: »Geh hin und baue mein Haus auf, das am Einstürzen ist.« Fortan machte sich Franziskus auf, mit seinen Jüngern als Rittern und Worten als Waffen die Welt für den Himmelskönig zu erobern.
Als er im Alter von 28 Jahren zwölf Brüder um sich gesammelt hatte, pilgerte er mit seiner Schar nach Rom, um sich vom Papst den Bund der Jünger und das Recht zum Predigen bestätigen zu lassen. Durch Fürsprache des Kardinals Johannes Colonna erhielt Franziskus eine Audienz bei Papst Innozenz III. Diesem hatte in der Nacht zuvor geträumt, die gewaltige Laterankirche drohe einzustürzen, das wankende Gebälk sei aber durch die Riesenschultern eines eintretenden Mönches gestützt worden. Als ihm anderntags Franziskus vorgestellt wurde, erkannte er in ihm sofort den Mönch aus seinem Traum. Franziskus selbst hatte seinerseits vor der Begegnung mit dem Papst geträumt, unter einem Baum von gewaltiger Grösse zu stehen. Plötzlich wuchs er, bis er so gross war wie der Baum, fasste dann den Wipfel des Baumes und beugte ihn bis zur Erde. Die Jünger deuteten den Traum so, dass der Papst den Wünschen des Heiligen wohlwollend gesinnt sein werde.
In den »Fioretti«, den »Blümlein«, jenem Kranz von Berichten und Legenden, die man 100 Jahre nach dem Tod des Heiligen für die Nachwelt aufschrieb, wird berichtet, dass Franziskus nachts im Wald, wenn er betete, von himmlischen Wesen, Engeln, Jesus, Maria, dem heiligen Johannes und den Evangelisten besucht wurde und mit ihnen Gespräche führte. Durch solche Offenbarungen seien ihm zukünftige Dinge und das Schicksal seiner Mönchsbrüder, deren Fehler und Vorzüge, bekannt geworden. Dem Bruder Giovanni della Capella sagte er voraus, er werde sich erhängen, und von einem anderen Bruder wusste er, dass diesen der Teufel wegen seines unbotmässigen Lebenswandels holen werde.
Franziskus warf nichts Geschriebenes weg. Buchstaben, auch wenn Heiden sie niedergeschrieben hatten, waren seiner Meinung nach geheiligt, denn auch aus ihnen könne einer der 100 heiligen Namen Gottes zusammengesetzt werden. Aber selbst wenn man alle Sprachen, alle Wissenschaften und alle Schriften verstünde und auch wenn man prophezeien und künftige Dinge kundtun könne, so sei dies, warnte Franziskus seine Mitbrüder eindringlich, noch lange nicht die Glückseligkeit.
1227, ein Jahr nach Franziskus' Tod, wurde ein Freund von Franziskus, der Kardinal Hugolin, als Gregor IX., zum Papst gewählt. Für Hugolin war dies keine Überraschung. Franziskus hatte ihm die Erhebung auf den Heiligen Stuhl vorhergesagt. Hugolin bedankte sich auf eigene Weise und verkündete ein Jahr später, dass Franziskus in den Stand der Heiligen aufgenommen worden sei. Der englische Essayist Gilbert K. Chesterton, Verfasser einer Franziskus-Biographie, weist uns aber darauf hin, dass sich Franziskus den höchsten Titel noch zu Lebzeiten selbst verliehen hatte. »Der kleine arme Mann, der sich von allem entblösst und sich als Nichts bezeichnet hatte, legte sich denselben Titel zu, den die masslose Eitelkeitsprahlerei jener prachtliebenden asiatischen Autokraten für sich in Anspruch genommen hatte - er nannte sich Bruder der Sonne und des Mondes.«

 

 

 

 

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