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Seit der frühen
Menschheit spielte Feuer eine existenzielle Rolle. Es vertrieb die
beängstigende Finsternis, verlieh Wärme und später die Chance, Ton zu
härten, Metalle zu schmieden. Ausserdem machte es das Essen schmackhafter
und entschieden bekömmlicher. Vielleicht entstand die Ausdeutung des Feuers
in den Feuerkulten des Orients, vor allem in Persien. Ursprünglich spielten
für die Vorzeichen mehr das Verhalten der im Feuer brennenden Opfer und die
Asche eine Rolle. Nahe von Vulkanen warf man Gegenstände in die Schlote.
Fingen sie sofort Feuer, betrachtete man dies als gutes Omen. Wehe aber,
wenn die Energie des Feuerschlots sie postwendend zurückwarf!
Im häuslichen Bereich von Herd, Ofen oder offener Feuerstelle beobachtete
man die Flammen selbst. Brannte es hell, assoziierte man Glück: Hochzeit,
Geburt, Gold und Geld. Qualmte es nur dunkel vor sich hin, sollten auch nur
dunkle Ereignisse bevorstehen. Bläuliche Flammen kündeten von baldigem Tod
im Haus oder strengem Winter. Sprühten und stieben viele Funken, folgerte
man Unglück schon für den folgenden Tag oder aber vornehmen Besuch.
Knisterte das Feuer, nahte ein freudiges Ereignis; bullerte es, drohte
Streit und Verdruss im Haus; knackte es, stand Schlimmeres bevor. An
bestimmten Tagen wie zu Fastnacht oder Johannis liess sich durch das
Beobachten des Feuers das ganze Jahr prognostizieren. Brannte es ruhig,
musste es ein gutes Jahr geben; brannte es unruhig, drohten viele Gewitter;
brannte es hoch, schien die Zukunft in vieler Hinsicht fruchtbar.
Mit Beginn der Vier-ElementeLehre gehörte das Feuerorakel mit zu den »elementarischen
Divinationen«. Jetzt symbolisierte Feuer zugleich die seelischen
Erschütterungen durch Intuition und Inspiration. Die Flamme wurde Ausdruck
des Heiligen Geistes, der göttlichen Verbindung nach oben und unten, zum
Kanal für ein höheres Bewusstsein. Diese Flamme erschien im Innern des
Menschen. Eine brennende Kerze symbolisierte nur die Anwesenheit eines
»grösseren Lichts«, das sich auf seine ihm eigentümliche Weise manifestieren
sollte.
Und doch hat sich das äussere »Feuergaffen« bis heute erhalten, vornehmlich
am abendlichen Lagerfeuer oder am offenen Kamin. Man lege seine Frage vor
und bitte um Antwort. Dann versuche man alle Gedanken auszuschalten und
einen bestimmten Punkt im Feuer zu fixieren. Manchen gelingt es auch, sich
von den lodernden Flammenspitzen, dem Funkenregen oder ständigen Wechsel der
Farbschattierungen in eine Art Trance führen zu lassen. Nach einiger Zeit
formt sich ein Bild oder eine Bilderfolge, deren Interpretation mitunter
einiges an Kreativität abverlangt. Diese Art der Visionsprojektion gelingt
aber nur, wenn man sich mit dem Feuer als Element anfreunden kann, keine
Ängste aufbaut und einen recht innigen Kontakt aufzunehmen vermag. |