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Epidauros, eine
Hafenstadt auf einer Landspitze am Saronischen Busen, war berühmt durch das
nahe Heiligtum des Äskulap, das von Kranken aus ganz Griechenland besucht
wurde und das bis zur Plünderung durch Sulla in Blüte stand.
Am Eingang des Tempels gab es einen Spruch: »Rein sei jeder, der tritt in
den weihrauchduftenden Tempel. Rein aber heisst, wer im Sinn heilige
Gedanken nur trägt.« Im Tempel stand das Standbild des Gottes aus Gold und
Elfenbein. Am Sockel konnte man Szenen von der Bezwingung dämonischer Mächte
sehen.
In einer grossen Halle legten sich die Kranken nieder, nachdem sie sich
rituell gereinigt und Opfer, meist einen Widder, dargebracht hatten, um im
Tempelschlaf ein Traumorakel (Heiltraum) zu empfangen.
Im 4. Jahrhundert vor Christus wurden Stelen mit Berichten über
Wunderheilungen im Tempel aufgestellt. Eine Spezialität des Heiligtums war
die Heilung von Augenkrankheiten. Ein Text erzählt die Geschichte einer
Kranken aus Athen.
»Ambrosia aus Athen, einäugig. Diese kam als Hilfeflehende zum Gott. Als sie
herumging im Heiligtum, verlachte sie einige der Heilungen als
unwahrscheinlich und unmöglich, dass Lahme und Blinde allein dadurch schon
gesund würden, dass sie einen Traum gesehen hätten. Als sie (im Abaton)
schlief, hatte sie ein Traumgesicht: Es schien ihr, dass der Gott zu ihr
trat und sagte, dass er sie gesund machen werde, dass sie jedoch dazu
verpflichtet sei, als Lohn im Heiligtum ein silbernes Schwein zu weihen, zum
Gedenken an ihre Unwissenheit, nach diesen Worten ihr krankes Auge
aufschlitzte und ein Heilmittel hineinträufelte. Nach Tagesanbruch ging sie
gesund hinaus. |