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Vorzeichen und Orakel
können eine enge Verbindung eingehen, wie wir immer wieder feststellen
können. Der Kommunikations- und Informationswissenschaftler Matthias Rhein
berichtete 2001 über Orakel als Schnittstelle oder Mittler zwischen Natur
und Zivilisation. Er zeigte dabei, wie breit die Palette der
Entwicklungshilfe sein kann:
»Ich bin während meiner Reisen schon oft als Zeichen der Zukunft
interpretiert worden«, erzählte er 2001 in einem Interview für eine
Dokumentation zur Ausstellung Museutopia im Karl-Ernst-Osthaus-Museum in
Hagen, »oftmals einfach durch mein anderes Aussehen. Als ich für die
Asiatische Entwicklungsbank gearbeitet habe, musste ich - zusammen mit
meinem philippinischen Kollegen Richard Fernandez - in entlegene Gegenden
der Philippinen wandern (was nebenbei bemerkt recht beschwerlich war). Wir
sind dabei in Dörfer gelangt, die noch nie zuvor Fremde gesehen hatten.
Manche [der Menschen] waren noch Jäger und Sammler, nur mit Holz- und
Steinwerkzeugen ausgerüstet. Dabei ergab es sich, dass wir in ein Dorf
kamen, wo sie noch nie zuvor einen Weissen erblickt hatten. Ich wurde vom
Schamanen als Zeichen für den kommenden Regen gedeutet, wurde also selbst
Teil des Orakels. Der Regen stellte sich aber nicht ein, und Richard war
darüber ebenso beunruhigt wie der Stammeshäuptling. Es endete letztlich
damit, dass wir ob des ausbleibenden Regens meinen Kopf und mein Leben mit
vier Liter Rum erkaufen und rasch die Flucht ergreifen mussten. In einem
anderen Dorf wurde ich dann höflich gezwungen, einen Fruchtbarkeitstanz auf
den lokalen Feldern aufzuführen, was ich nur mit einem traditionellen grünen
Lendentuch bekleidet, russische Volksweisen dabei singend, auch getan habe.
Die Qualität meines Tanzes - oder was auch immer die Schamanen darin sahen -
bestimmte dann die Qualität der Ernte.
In Ghana habe ich folgendes erlebt: Um eine gute Beziehung zu einer Gemeinde
am Rande eines Naturschutzgebiets aufzubauen, mussten wir eine Ziege als
Orakelopfer spenden. Mehr als das: man verlangte auch noch, dass wir an den
Zeremonien teilnahmen, barfuss über weisse Hühnerfedern liefen, einen
heiligen Berg bestiegen etc. Das Orakel auf dem Berge sagte dann Regen noch
am gleichen Tag voraus. Unsinn, dachte ich, denn wir befanden uns zur
Trockenzeit im Bereich der Trockensavanne - da gibt es bezüglich des Wetters
keine Überraschungen. Umso überraschter war ich dann, als wir auf dem
Rückweg ins Dorf ein heftiges Gewitter über uns ergehen lassen mussten. Auf
der Rückfahrt nach Accra mussten wir -triefend nass im Auto sitzend - zudem
feststellen, dass es nur in diesem einen Dorf geregnet hatte. Die übrigen
Dörfer waren trocken geblieben.« |