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Die Wahrsagerin von Endor

Im Alten Testament finden wir die Geschichte der berühmten Hexe von Endor: Als im 12. Jahrhundert vor Christus die Philister ein grosses Heer versammelten, um gegen Israel zu ziehen, kamen dem jüdischen König Saul grosse Bedenken über den Ausgang des Kampfes. Er bat Gott vergebens, ihm einen Traum mit einem Zeichen zu schicken. An wen sich also wenden? Der Hofprophet und Seher Samuel war gerade gestorben. Wahrsager und Zeichendeuter waren auf Befehl Sauls aus dem Lande getrieben worden. Saul beauftragte seine Diener, ihm unbedingt eine Frau zu suchen, die über einen Wahrsagegeist verfügte. In Endor See Tiberias wurden die Diener fündig. Saul verkleidete sich und ging mit zwei der Diener bei Nacht zu der Frau. Er bat sie, ihm durch den Wahrsagegeist wahrzusagen und dazu eine bestimmte Person heraufzuholen und erscheinen zu lassen. Die Frau wehrte sich, sie mache sich strafbar und werde getötet, wenn sie sich gegen das Verbot des Königsstelle. Saul schwor bei Gott, dass ihr nichts geschehen werde, wenn sie ihm nur Samuel erscheinen lasse. Bei der Nennung des Namens wurde der Wahrsagerin klar, wer der fremde Besucher war. Der König beruhigte sie aber und hiess sie ihre Arbeit tun. Nach einer Reihe von Gestalten, die vorüberzogen, meldete sie dem König schliesslich, dass ein alter Priesterrock bekleidet sei. Saul verneigte sich, entschuldigte sich bei dem Geist Samuels, dass er ihn belästige, und bat ihn, ihm zu sagen, was die Zukunft bringe. Samuel verkündete dem König nichts Gutes. Israel werde in die Hände der Philister fallen, der König und seine Söhne würden am folgenden Tag getötet und das Reich werde später an David gegeben werden. Als Saul, der weder in der Nacht noch am Tag zuvor etwas gegessen hatte, dies hörte, fiel er der Länge nach entkräftet hin. Die Wahrsagerin, die ihn nicht länger bei sich haben wollte, bot ihm ein Stück Brot an, damit er sich kräftige und dann seiner Wege gehe. Erst als sie (anscheinend mit einem sehr guten Honorar versehen) ein gemästetes Kalb schlachtete und aus Mehl ein ungesäuertes Brot gebacken hatte, bequemte sich der König schliesslich zu essen und zu gehen, seinem geweissagten Schicksal entgegen.
Eifrige Bibelbearbeiter machten aus der im Urtext »Weib« genannten Frau gleich eine Hexe und so mancher Theologe sprach der Wahrsagerin in seinem Kommentar die Ehre ab. Die Erscheinung sei Betrug gewesen. Der »Geist« sei mit Hilfe von Rauch und durch Bauchreden erzeugt worden.

 

 

 

 

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