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Der himmelblaue, mit
Sonne, Mond und Sternen geschmückte Wagen des Wahrsagers Ashlati El Fantadu
ist auf Jahrmärkten, Kirmesfeiern, Stadtfesten und auf Weihnachtsmärkten ein
Anziehungspunkt für viele, die eine Entscheidung suchen, etwas über ihre
Zukunft oder ihre Vergangenheit erfahren wollen. Seine Klienten sind
Politiker, Prominente und einfache Leute. Kinder kommen schon mal mit ihrem
Hund vorbei, um dessen Zukunft zu erfahren. Für Rundfunksender sagt er das
Ergebnis eines Fussballspiels voraus und in der Jahresprognose für eine
Zeitung gelang es ihm, das erste Attentat auf das World Trade Center, das am
26. Februar 1993 stattfand, vorherzusagen.
Ashlati El Fantadu schwört bei Konsultationen auf seine innere Stimme. Seine
innere Stimme war es, die ihm riet, nein zu sagen, als sein Banknachbar in
der Berufsschule, der Metzgersohn Jürgen Bartsch, ihn zum Wochenende einlud.
Das »Geheimnis«, das er ihm zeigen wollte, endete für viele Jungen, die der
(wie später herauskam) vielfache Kindesmörder zu sich gelockt hatte,
tödlich.
Beim Wahrsagen sind für El Fantadu das Pendel, die Karten, die Kristallkugel
und die Hand eines Klienten Hilfsmittel, seine innere Stimme anzuregen und
gleichzeitig die Möglichkeit für den Klienten, Magie hautnah zu erleben. »Im
Grunde ist die Kugel ein Symbol für meinen Job. Du kannst draussen an die
Tür in tausend Schriften >Wahrsager< dranschreiben, aber Leute, die es nicht
sehen wollen, die lesen das nicht. Aber die Kugel auf dem Tisch öffnet die
Schublade >Wahrsager<, >Magier<, >Zauberer<.«
Tarotkarten sind für ihn ein Vergrösserungsglas für die Seele. »Tarot ist
das, was die Seele im Moment berührt, was es mit mir macht und was ich damit
mache. Die Tarotkarten sind >Märchenbilder<, die uns daran erinnern, was in
uns passiert.«
Für El Fantadu ist das Wahrsagen ein Talent, vergleichbar mit dem
Klavierspielen oder dem Fussballspielen: »Das Talent ist da, ich habe es
akzeptiert und damit komme ich klar. Ich kann halt nun mal wahrsagen.« Bei
seiner Tätigkeit geht es ihm darum, Menschen Wege zu zeigen, wie sie zu
Lösungen für ihre Probleme kommen können: »Wichtig ist mir«, schreibt er in
seiner 2003 erschienen Autobiographie »Der Mann hinter dem Spiegel«, »dass
die Leute, die zu mir kommen, auf einmal ein Lächeln in die Augen bekommen
und sagen: >Ich glaube, ich habe Hoffnung, ich glaube, ich habe eine Idee<.«
Mittlerweile hat El Fantadu ein unbedingtes Vertrauen in seine Fähigkeit und
fühlt sich auch in Situationen sicher, in denen man ihn auf den Arm nehmen
will. Als ihm eine Frau acht neutrale Umschläge hinlegte, die angeblich
Bilder von Männern enthielten, die ihr auf eine Heiratsannonce geantwortet
hatten, und sie wissen wollte, was das für Menschen seien, blockierte sein
Pendel bei einem der Bilder. Er mischte die Briefe mit geschlossenen Augen
neu, hatte aber wieder eine Blockade bei einem der Umschläge. Als die Frau
den Umschlag öffnete, war ein Bild des Papstes drin. »Dieses Luder wollte
mich testen! Dass sie mir durch diesen Test geholfen hat, erst recht
Vertrauen zu mir und meinem Pendel zu finden, wusste sie nicht.«
Für El Fantadu braucht ein Orakel, das er jemandem mitgibt, Zeit, um sich
mit Leben zu füllen. »Ein Orakel ist so, dass man beim ersten Sehen, Hören
oder Lesen noch gar nichts begreift. Ein Orakel entwickelt sich genau wie
ein Zeitungshoroskop, das man morgens liest, und man sagt >Was ein Scheiss<
und abends sagt man >Das passt<.« |