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Bereits die Römer suchten
zur Wintersonnenwende das Eiorakel. Ein Ei von einer schwarzen Henne oder
einem erstlegenden Küken erbrachte dabei wohl die besten Ergebnisse.
Mit dem Aufkommen des Christentums drängte sich das zu Karfreitag gelegte Ei
in den Vordergrund. Ein solches Ei sollte nie zerbrechen, aber auch keine
Osterfarbe annehmen. So stelle man in der Karfreitagsnacht unter freiem
Himmel Wassergefässe, in die Karfreitagseier geschlagen werden. Am nächsten
Tag lassen sich aus der Figurenbildung mit einiger Kreativität Antworten auf
wichtige Fragen finden. Früher suchte man in den Figuren zu lesen, welche
Früchte im nächsten Jahr geraten würden.
Bei der Behandlung des Magenfiebers, aber auch anderer schwerer Krankheiten,
zeige ein ins Feuer gelegtes Ei durch den Zeitpunkt, an dem es zerplatzt,
Grad und Zustand des Leidens an. Für ein Schnellaugurium genügt es, ein Ei
in die Pfanne zu schlagen: Halten Eiweiss und Eigelb weitgehend zusammen,
stehe es gar nicht schlecht um den Patienten. Breiten sich aber die
Innereien des Eis über die ganze Pfanne aus und zieht das Eigelb aggressiv
Bahnen durchs Eiweiss, müsse man das Schlimmste befürchten. Wem in der
Neujahrsnacht ein Ei herunterfällt, wer eines zerdrückt oder zerbricht, dem
drohe Unglück oder sogar der Tod binnen Jahre: frist. Wer vom Fünfminutenei
die Schale nicht abzupellen vermag weil sie zu sehr an der Haut klebt könne
- Silvester hin oder her - einen hässlichen Lebenspartner bekommen, sogar
einen pockennarbigen. Schält sich die Schale dagegen ohne Mühe, wird's ein
glatter um gut aussehender Mann oder ein schöne Frau. An Neujahr vor
Sonnenaufgang könne jeder durch ei] frisch gelegtes Hühnerei, in das zwei
Löcher gebohrt sind, die Zukunft sehen. Lässt man aber das erste an
Karfreitag von einer schwarzen Henne gelegte Ei unter seiner Achsenhöhle
neun Tage ausbrüten, so werde ein kleines Männlein geboren, das au alle
Fragen antworte und von den man sich alles wünschen könne Hier scheinen
Aufwand und Ertrag wirklich in einem akzeptablen Verhältnis zu stehen. |