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John Dee wurde am 13.
Juli 1527 in London geboren. Er entstammte einem altadeligen Geschlecht aus
Wales. Er studierte in Cambridge, ab 1547 in den Niederlanden Mathematik,
Astronomie und Astrologie und wurde nach seiner Rückkehr Mitbegründer des
Trinity College in Cambridge. Nachdem er 1548 zum Magister ernannt worden
war, studierte er in Löwen noch Alchemie und Magie.
Man bezichtigte ihn erstmals der Zauberei, als er für eine Aufführung einer
Komödie des Aristophanes einen mechanischen Käfer konstruierte, der mit
einem Menschen beladen zum Thron Jupiters flog.
1551 wurde er, wahrscheinlich wegen der Freundschaft mit Prinzessin
Elisabeth, der späteren englischen Königin, beschuldigt, Königin Maria I.,
der Katholischen, mit Zauberei nach dem Leben getrachtet und Kinder durch
Hexerei getötet zu haben. Man warf ihm auch vor, Hausgeister zu besitzen.
Dee wurde der Gerichtsbarkeit des berüchtigten »blutigen« Bischofs Bonner
übergeben und sass gemeinsam mit dem später als Ketzer verbrannten Barlett
Green im Gefängnis. Im Herbst des Jahres 1553 liess man Dee überraschend
frei.
1555 erstellte er für Prinzessin Elisabeth ein Himmelsschema, das den für
die Krönung geeignetsten Tag bestimmte, und er diente ihr auch später als
Berater, Astrologe, Bote und Geheimagent.
In seinem Landsitz in Mortlake besass Dee eine grosse Bibliothek mit 4000
Büchern und Manuskripten, darunter die Werke von Roman Lull, Albertus
Magnus, Roger Bacon, Paracelsus und Trithemius, eine »wahre Wunderkammer der
Gelehrsamkeit« (M. Kuper). Das Haus enthielt dazu ein Laboratorium mit einer
Fülle von Apparaturen. Dee sammelte Altertümer aus seiner walisischen
Heimat, alte Siegel und Stammbäume. Er besass Bilder von Dürer und Skizzen
von Leonardo da Vinci. Er experimentierte mit magischen Spiegeln und
Laternen, entwarf Kryptogramme und magische Zeichen. Aus dieser
Beschäftigung entstand 1564 sein Werk »Monas Hieroglyphica«. Nur wenigen
Menschen wie Königin Elisabeth I. und Kaiser Maximilian II. erläuterte er
persönlich den Schlüssel zur Entzifferung der Monade.
Ab dem Jahr 1581 begann Dee mit magischen Experimenten unter Zuhilfenahme
einer Glaskugel und eines polierten Obsidians (seine »Zeigesteine«), nachdem
er selbst in einem Kristall ein Gesicht hatte und es in seinem Haus zu
spuken angefangen hatte. In dem Kristallseher Eduard Kelley fand er ein
begabtes Medium, das die Geister und Engel, die in den Blasses auftauchten,
beschrieb und auch mit ihnen in der Sprache der Engel, dem Henochischen,
kommunizierte. Dee zeichnete alle diese »Actions« in seinem noch vorhandenen
»Private Diary« und in der 500 Seiten starken Schrift »A true and faithful
Relation of what passed for many years between Dr. John Dee and some spirits«
auf. Am 21. November 1582 erschien am westlichen Fenster seines
Studierzimmers ein Engel in der Gestalt eines vierjährigen Knaben, der den »Shew«
(Dees berühmt gewordenen Zauberspiegel), einen Kristall aus glänzender
Steinkohle, übergab. Horace Walpole, der bekannte Verfasser von
Schauerromanen, in dessen Besitz sich der »Shew« befand, soll ihn 1752 an
Katharina die Grosse verkauft haben.
Dee hing sehr an seiner Bibliothek, die zu erwerben das von seinem Vater
ererbte Vermögen in hohem Masse aufgebraucht hatte. Zwei Tage, nachdem er
den Shew erhalten hatte, hatte er nachts einen Warntraum. »Ich träumte, ich
sei tot«, berichtet Dee in seinem Tagebuch, »und mir seien die Eingeweide
herausgenommen worden. Ich lief umher und sprach mit verschiedenen Leuten,
darunter auch dem Lordschatzmeister, der zu meinem Haus gekommen war, um
meine Bücher zu verbrennen. Mir kam es vor, als schaue er mich missgünstig
an.«
Als Dee sich Ende 1583 mit seiner Familie und Kelley länger auf dem Festland
aufhielt, auch um sich Verfolgungen in England zu entziehen, stürmte ein von
Dees Feinden aufgehetzter, abergläubischer Mob sein Haus, plünderte die
Bibliothek, verwüstete das Labor und liess auch eine geheimnisvolle
gummiartige Substanz, die fünf Pfund wog, mitgehen. Der Verlust dieser
Substanz traf Dee schmerzhafter als alles andere.
In den Sitzungen mit den Engeln ging es um Alchemie, Kosmologie,
Eschatologie, Theologie, Naturphilosophie, Fragen der Politik, der Kirche
und der Religion. Für ihren Gönner, den polnischen Fürsten Albert Laski,
liessen die beiden Kristallomanten die Geister auch über zukünftige
Geschehnisse Prophezeiungen abgeben. Er werde binnen Jahresfrist König (»die
Sonne soll nicht ihren Lauf vollenden, so wird er König werden«), werde die
Juden bekehren und Kreuzzüge gegen die Türken unternehmen, beschieden ihm
die Geister freundlich, aber falsch.
Der Geist Jubanladace beruhigte den finanziell in Nöten befindlichen Dee,
über die Königin werde ihm wunderbare Hilfe zukommen. Tatsächlich liess
Elisabeth dem Fürsten bald darauf 4o Taler aushändigen, damit er für eine
standesgemässe Bewirtung eines Hofbeamten wenigstens etwas Geld zur
Verfügung hatte.
Als Dee den weiblichen Geist Galvah einmal fragte, was man gegen das
anhaltende Nasenbluten seines Nachbarn Charles Stad tun könne, schämte sich
Galvah nicht zu antworten: »Ich kenne ihn nicht, er hat noch keinen Namen
bei uns.«
Später, als Dee mit Kelley nach Europa gegangen war und in Deutschland,
Polen und Ungarn von Fürstenhof zu Fürstenhof zog und in immer schlimmere
Geldnöte geriet, fragte er in seiner Verzweiflung am 20. März 1585 den im
Kristall erschienenen Engel Levaniel nach der Bereitung des Steins der
Weisen. Der Engel antwortete zwar sofort, seine Auskunft war aber trotz
einer von Dee 1584 verfassten Schrift über die Kommunikation mit den Engeln
und einer beigegebenen Übersetzung des Henochischen ins Englische nicht zu
entschlüsseln. »Audcal ist Gold; Diasod ist Schwefel; nimm also Lulo von
roten Roxtan. Roxtan ist guter reiner Wein an sich; Lulo ist seine Mutter.
Lulo ist Weinstein von Rotwein; diesem muss Quecksilber hinzugefügt werden.
Darr ist in der Sprache der Engel der wahre Name des Steins.“
Nach Dees Rückkehr nach England hatte er als Präfekt des Kollegs in
Manchester ein Unterkommen und auch bis zum Tod seiner Gönnerin Elisabeth I.
im Jahr 1604 eine kleine Pension.
Der hexengläubige König Jacob I. entzog Dee, dessen Engelmagie er für
Teufelsbeschwörung hielt, die Pension, so dass er nach Mortlake zurückgehen
musste, wo Alter, Krankheit und Armut sein Leben verbitterten.
In einer letzten »Action« am 7. September 1607 manifestierte sich in seinem
Zauberspiegel der Engel Raphael und versprach, ihn bald die Bereitung des
Steins der Weisen zu lehren und ihm auch die tiefsten Geheimnisse Gottes zu
offenbaren. Nicht lange danach starb Dee und –wie sein Biograph Kurt
Kiesewetter es treffend ausdrückte – »gesellte sich zu seinen Geistern«. |