Studienlehrgang über Träume und Traumdeutung
 
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Crowley Aleister

Edward Alexander Crowley wurde am 12. Oktober 1875 als Sohn eines Bierbrauers geboren, der in seiner freien Zeit als Wanderprediger für eine Sekte, die strenggläubigen Plymouth-Brethren, unterwegs war. Seine Mutter habe nach dem frühen Tod des Vaters versucht, einen religiösen Musterknaben aus ihm zu machen, sie sei eine »hirnlose Bigotte des engstirnigsten, logischsten und unmenschlichsten Typs« gewesen, berichtet er in seiner Autobiographie (»The Confessions of Aleister Crowley«). Da sie ihn wegen seines flegelhaften, blasphemischen Verhaltens als Tier (beast) beschimpfte, verlieh sich Crowley, nachdem er sich auch einen neuen Vornamen (Aleister) gegeben hatte, den Namen des Antichristen (Das Tier 666) aus der »Offenbarung des Johannes« als zukünftigen Nom de Guerre.
Am November 1898 legte er in London im »Hermetic Order of the Golden Dawn« Eid und Gelübde ab und erhielt den Ordensnamen Bruder Perdurabo. Nach kurzer Zeit bekleidete er den Grad eines »Philosophus«. Über Samuel Liddel McGregor Mathers, das Oberhaupt des Ordens, lernte Crowley das »Buch Abramelin« des Abraham von Worms kennen. Crowley entnahm dem mittelalterlichen Traktat, dass Magie nur dann funktioniert, wenn man seinen heiligen Schutzgeist in sich erwecken kann, um mit dessen Hilfe den Geistern zu befehlen. Begeistert richtete Crowley in seiner Wohnung schon mal zwei seiner Räume als Tempel ein, einen für die Weisse, den anderen für die Schwarze Magie.
Im Jahr 1904 in Kairo, wo Crowley mit einer seiner vielen »Scarlet Women« als Fürst Chioa Khan wohnte, erschien ihm in Aiwass, einem Boten des Gottes Seth, sein heiliger Schutzengel. Innerhalb von drei Tagen empfing Crowley in Trance von Aiwass das »Buch des Gesetzes«, ein Evangelium des Neuen Aeon, das Crowley der Menschheit verkünden sollte. Ein »Kompendium von Dithyramben mit mehr Ausrufezeichen als jedes andere Opus vergleichbarer Länge« nennt Crowleys Biograph John Symonds den von Crowley ehrfurchtsvoll mit einem teuren Swan-Füllfederhalter niedergeschriebenen Text.
Crowley konnte als Verkünder der neuen Lehre zuweilen recht nervig sein. Am 7. Juli 1907 sagte George Montague, der 7. Earl of Tankerville, der gehofft hatte, durch Crowleys Lehren geistige Stabilität zu bekommen, zu Crowley: »Ich habe die Nase voll von Ihren Lehren-Lehren-Lehren-Lehren, als wären Sie der allmächtige Gott und ich ein Stück Scheisse.«
Crowley, der sich als Reinkarnation und Nachfolger des in seinem Geburtsjahr gestorbenen französischen Magiers Eliphas Levi sah, legte 1944 mit seinem »Book of Thoth« eine überarbeitete Fassung der Texte von Levi über den Zusammenhang des Kabbalistischen Baums mit dem Ägyptischen Tarot vor. Die nach seinen Angaben von Lady Frieda Harris exquisit gemalten Karten sind als »Crowley-Tarot« bis heute ein Bestseller in Okkultläden.
»Der Tarot sollte im Leben so früh wie möglich erlernt werden«, schreibt Crowley, »als eine Stütze für das Gedächtnis und ein vorbildliches System für den Geist. Er sollte ständig, im Sinne einer täglichen Übung, studiert werden; denn er ist unendlich elastisch, und sein Wert wächst im Verhältnis zu seiner von Verstehen und Intelligenz erfüllten Anwendung. Auf diese Weise wird er zu einer äusserst geistreichen, fruchtbaren und vorzüglichen Methode, sich der Gesamtheit der Existenz bewusst zu werden.«
Crowley hat häufig das Yi King (I Ging) befragt, auch zu Problemen des Alltags. So hat ihn einmal das Hexagramm XIII (Tung Jen / »Gemeinschaft mit Menschen«) an einem Weihnachtstag zum Konsum von Roastbeef, Plumpudding, einer Flasche alten Portweins und einigen Brandies animiert. Aus der Wahl des Hexagramms XII (Pi / »Die Stockung«) leitete er ab, warum er an diesem Tag in seinem Lebensmittelgeschäft keinen Milchrogen für seinen Toast erhalten hatte. Und als er nach einer Idee für ein Bild suchte, das er malen wollte, gab das Yi King ihm über das Hexagramm XXXVIII (Kui / »Der Gegensatz«) die Antwort, ein Schwein zu malen, das auf dem Rücken eine Ladung Schmutz mit sich herumträgt oder eine Kutsche voller Geister. Crowley, der kein besonderes Talent zum Zeichnen gehabt hat, beschloss daraufhin, nur noch Bilder zu malen, die rein aus Farben, ohne figürliche Anteile, komponiert waren.
Als er 1944 durch die Bombardierung Londons seine Wohnung in der Jermyn Street verlor, fragte er das Yi King, ob er in eine Pension in Hastings (Sussex) ziehen solle. Auf seine Anfrage erhielt er das Hexagramm XLIX (Ko / »Die Umwälzung« bzw. »Mauserung«), was er als »und ob« interpretierte. Die Pension »Netherwood« stellte sich als grosser, finsterer Herrensitz aus dem 19. Jahrhundert heraus, der inmitten eines grossen Parks gelegen war. Im Speisesaal hingen die Hausregeln:
Die Gäste mögen bitte nicht die Geister verärgern.
Allen, die die Nacht überlebt haben, wird das Frühstück um neun Uhr morgens serviert.
Der Städtische Friedhof von Hastings kann vor hier aus bequem zu Fuss in fünf Minuten erreicht werden (im Falle der Mitführung einer Leiche in zehn Minuten). Flugweg für Geister eine Minute.
Wir bitten alle Gäste höflichst, vom Abnehmen der Leichen in den Bäumen abzusehen.
Im Büro finden Sie eine kleine Garderobe. Es handelt sich um die Gewänder derer, die des irdischen Tands nicht mehr bedürfen.
In der Nacht des 1. Dezember 1947 starb Crowley in »Netherwood«. Ein Pergamenttalisman unter seinem Kopfkissen, der »für einen grossen Schatz« geweiht war, nutzte Crowley nichts mehr, verhalf aber einem Unbekannten, der sich heimlich in Crowleys Zimmer schlich, zur goldenen Taschenuhr des Grossen Tiers 666.

 

 

 

 

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