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1949 erschienen dem
niederländischen Krämergehilfen Gerard Croiset (1909-1980) zwei Engel, die
neben einem Vorhang standen. Durch den Vorhang sah er sich selbst in
orientalischer Kleidung auf einer Bühne stehen. Auf dem Kopf trug er einen
Turban mit einem diamantenbesetzten Stirnband. Croiset interpretierte diese
Erscheinung dahingehend, dass eine höhere Macht ihn berief, grosse Dinge als
Zauberer zu tun.
Croiset war im In- und Ausland bald genauso bekannt wie die KLM oder die
Bilder von Rembrandt im Amsterdamer Museum. Man nannte ihn »Zauberer von
Utrecht« und wegen seiner verblüffenden Fähigkeiten als Hellseher gab man
ihm den Spitznamen der »Niederländer mit den Röntgenaugen«. Seine Mitbürger
sahen in ihm, dem Abkommen jüdischer Vorfahren, einen modernen Nostradamus.
Der Parapsychologe Professor Tenhaeff fand heraus, dass Croiset, wie die
Angehörigen von Naturvölkern, in Bildern dachte: »Es ist, als geben diese
Bilder einen Überblick über das Leben anderer Menschen, oft mit grossen
Lücken, sie zwingen sich ihm geradezu auf.«
Über sich selbst sagte Croiset: »Ich bin nur ein einfacher, gewöhnlicher
Mensch. Jeder hat dieselbe Gabe wie ich - nur ist sie in mir mehr
entwickelt, so wie es die Fähigkeit zu singen bei Caruso war. Ich habe keine
besonderen übernatürlichen Kräfte. Alle menschlichen Wesen, einerlei, wer
und wo sie sind, haben dieselben Gaben in verschiedener Stärke. Alle
Menschen stehen miteinander in Verbindung, obwohl sie sich dessen nicht
bewusst sein mögen. Ich habe nur ausserdem die Fähigkeit, mich im rechten
Augenblick in andere Menschen hineinzuversetzen und mit ihnen Verbindung
aufzunehmen. Aber ich bin wirklich nicht anders als andere.«
Croiset nahm für seine parapsychologische Tätigkeit, auch bei seiner Arbeit
für die Polizei, kein Geld. »Ich habe von Gott eine Gabe, die ich nicht
verstehe. Ich kann sie nicht gebrauchen, um damit für mich Geld zu
verdienen. Wenn ich das tue, verliere ich vielleicht diese Gabe.« Seinen
Lebensunterhalt für sich und seine Familie verdiente er als Heilpraktiker,
indem er zeitaufwendige, magnetopathische Behandlungen durchführte.
Für Tenhaeff war Croiset ein Paragnost, jemand, der die Schranken von Zeit
und Raum durchbrechen konnte und Vergangenes und Zukünftiges gleichermassen
sehen konnte.
Um zu richtigen Vorhersagen zu kommen, benötigte Croiset eine gefühlsmässige
Beteiligung. »Ich kann meine Gabe nicht nach Belieben anwenden. Ich muss
fühlen, dass sie von Nutzen ist, bevor ich jemandem helfen kann.« Besonders
zutreffend waren seine Angaben, wenn es um Vermisste ging, die
wahrscheinlich ertrunken waren. Er selbst war von einem Passanten aus einem
Kanal gerade noch gerettet worden, in den ein Spielkamerad den damals
Achtjährigen gestossen hatte.
Um einen Fall zu klären, genügte es ihm, einen Gegenstand aus dem Besitz
einer Person, ein Lichtbild, einen Ring, einen Handschuh oder ein anderes
Kleidungsstück, einen Brief, in die Hand zu nehmen, um über diesen »Induktor«
Szenen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieser Person zu sehen.
Für Aufsehen sorgte Croiset mit einem »Platz-Zuordnungs-Versuch« im
Jahr1955. Am 13. Februar machte er Angaben über Personen, die bei einer
Sendung des Süddeutschen Rundfunks bestimmte Plätze einnehmen würden und die
erst am 28. Februar vom Rechtsberater des Rundfunks per Los den Plätzen
zugeordnet wurden. Die Vorhersagen, die Croiset vorher schriftlich gemacht
hatte, waren zumeist richtig bis sehr richtig. |