Studienlehrgang über Träume und Traumdeutung
 
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Cheiro

Der Ire William Warner, der sich später als Wahrsager Cheiro nannte, brachte sich das Handlesen auf einer Zugreise von Liverpool nach London bei, als er eine Übersetzung von Johannes Hartliebs »Die Kunst der Chiromantie« las und das Gelernte gleich an dem irischen Politiker Charles Stewart Parnell, der zufällig mit im Abteil sass, ausprobierte.
Bevor er 1899 in London in der Bond Street 108 eine Praxis unter dem Künstlernamen Graf Louis le Warner de Harmon eröffnete, hatte er seine Studien der Wahrsagekünste in Indien und Ägypten vertieft.
Einer seiner ersten Klienten war Arthur Balfour, der Präsident der Society for Psychic Research und spätere Premierminister von England. In der Folge strömten die Reichen und Berühmten zu ihm, darunter Könige und Königinnen, der amerikanische Präsident Grover Cleveland, der Forscher Ernest Shackleton und die Dichter Oscar Wilde und Mark Twain. Mark Twain schrieb in Cheiros Besucherbuch: »Er hat mir meinen Charakter beschämend exakt aufgezeigt. Ich sollte nicht zugeben, dass er in allen Punkten recht hatte, dennoch fühle ich mich gedrängt, es zu tun.«
Mit Hilfe von Cheiros Vorhersagen wurde ein Mord aufgeklärt und ein Attentat verhindert. 1894 hatte er General Kitchener vorhergesagt, er werde seine grössten Erfolge 1914 erringen. Tatsächlich wurde Kitchener 1914 zum Lord gemacht und zum Kriegsminister ernannt. Cheiro hatte Kitchener davor gewarnt, in seinem 66. Lebensjahr eine Schiffsreise zu unternehmen. Als Kitchener sich 1916 aufgrund politischer Zwänge an Bord der HMS Hampshire begab, war sein Lebensende nah. In der Nähe der Orkney Inseln lief das Schiff auf eine deutsche Mine und Kitchener fand den Tod.
In der Öffentlichkeit bekannt machte Cheiro seine Behauptung, der Vers 7 des 37. Kapitels des Buches Hiob sei falsch aus dem Hebräischen übersetzt (»Da versiegelt er die Hand aller Menschen, damit die Leute insgesamt sein Tun erkennen.«) und müsse richtig heissen: »Gott schrieb Zeichen und Spuren in die Hände aller Menschensöhne, dass alle Leute ihre Taten wissen sollten.«
1904 bei einer Reise nach Russland traf er mit Rasputin zusammen und forderte ihn zu einem hypnotischen Duell heraus, das aber unentschieden ausging. Keiner konnte den anderen hypnotisieren.
Cheiro starb 1936 in Hollywood, wo er einen Film über den Abenteurer, Alchemisten und Wahrsager Cagliostro drehen wollte. Mit Cagliostro identifizierte sich Cheiro »Graf Harmon« sehr, hatte sich dieser doch genauso wie Cheiro selbst zum Grafen ernannt.

 

 

 

 

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