Studienlehrgang über Träume und Traumdeutung
 
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Chaldäische Orakel

Die Chaldäer, ein semitischer Volksstamm, wanderten vermutlich um 3000 vor Christus in Babylonien ein und kamen zeitweise dort zur Herrschaft. Das Volk Israel, Griechen und Römer nannten das Reich Babylon später meist Chaldäa. Über dieses Volk der Chaldäer entstanden viele Legenden. So sollen sie im Besitz aller Weisheit gewesen sein, Astronomie und Astrologie zur Wissenschaft erhoben haben. Die Chaldäischen Orakel, den leitenden Orakelpriestern Chaldäas zugeschrieben, beeinflussten die frühen griechischen Philosophen.
Diese Orakel, eine Heilslehre, sind selbst nicht erhalten. Ihre Texte wurden von Neuplatonikern übersetzt, in Hexameter gebracht und kommentiert. Doch auch diese Schriften und Kommentare der Neuplatoniker — Porphyrios, Jamblichus, Syrian und Proklos — sind verloren gegangen. Auszüge finden sich nur in zahlreichen Zitaten und Paraphrasen ihrer Zeitgenossen. Diese überlieferten »Splitter« vereinigen orientalische, pythagoreische, platonische und stoische Elemente, samt Lehren des Zoroaster. Manche Forscher glauben, der Urtext sei von dem unter Kaiser Marc Aurel (161-180) lebenden Theurgen Julianus verfasst. Er empfängt darin die Mahnungen der Götter. Die Hierarchie dieser Götter gipfelt in einem »Vater«, der zugleich den Intellekt personifiziert. Er hat sich der Sinnenwelt entzogen und wirkt allein durch seinen »zweiten Intellekt«, den Willen. Zahlreiche Zwischenwesen, Engel und Iynges vermitteln zwischen Sinnenwelt und dieser Intelligenz. In ihm hat die menschliche Seele ihren Ursprung. Erinnert sie sich an ihre göttliche Herkunft, vermag sie ihre irdisch körperliche Bindung zu lösen und dem Licht entgegenzustreben.
Die Texte beschreiben unter anderem verschiedene Stadien und Bewusstseinsebenen des menschlichen Weges, vervollständigt durch eine Vision einer wirbelnden feurigen Wolke, die sich selbst ineinander faltet, »das eine, erste und jenseitige Feuer - der Vater«. Wenn diese Wolke wahrgenommen wird, sprechen die Orakel: »Hörst du die Stimme des Feuers?«

 

 

 

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