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Giuseppe Balsamo, ein
1743 in Palermo (Sizilien) geborener Abenteurer faszinierte seine
europäischen Zeitgenossen unter dem angenommenen Namen Graf Alexandre de
Cagliostro als Heilkünstler, Magier, Alchemist und Hermetiker. Er betätigte
sich immer wieder auch als Wahrsager.
Elisabeth von der Recke hinterliess einen Bericht über ein magisches
Experiment, das er im Haus des Kammerdieners ihres Vaters mit dem jüngsten,
fünf Jahre alten Sohn ihres Onkels durchführte. Cagliostro goss – eine schon
aus der Antike bekannte Praxis nutzend – in die linke Hand des Kindes Öl und
liess nach der Rezitation eines Psalms den Knaben in die gesalbte Hand
sehen. Der Onkel hatte Cagliostro gebeten, er möge dem Kind seine Mutter und
seine Schwester, die noch zu Hause seien, erscheinen lassen. Nach zehn
Minuten, in denen Cagliostro Beschwörungen rezitierte, rief der Knabe, er
sehe seine Mutter und seine Schwester. Die Mutter greife sich nach dem
Herzen, als wenn ihr etwas weh täte, und seine Schwester küsse seinen
Bruder, der gerade für alle völlig unerwartet nach Hause gekommen sei. Als
die Gesellschaft nach dem Haus des Onkels schickte, fand man alles so, wie
der Knabe es gesagt hatte. Der Mutter war wegen eines starken Herzklopfens
unwohl gewesen und der ältere Sohn war tatsächlich zufällig, ohne dass
jemand davon wusste, nach Hause gekommen.
1789 wurde Cagliostro in Rom von Beamten der Inquisition festgenommen und
wegen Häresie, Freimaurerei und Wahrsagerei zum Tod, später zu lebenslanger
Haft verurteilt. Cagliostro starb 1795 in der Engelsburg in Rom, nach
anderen Angaben im päpstlichen Gefängnis San Leone in Urbino.
Schiller (»Der Geisterseher«) und Goethe (»Der Grosskophta«) beschäftigten
sich intensiv mit dem Grafen. Goethe besuchte Cagliostros Familie in Palermo
und erstellte ihren Stammbaum. |