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Der englische Dichter,
Maler und Mystiker William Blake (1757-1827) hatte zeitlebens Besuch aus dem
Jenseits. Dauergäste waren zum einen der Geist seines Bruders, der
bald nach seinem Tod zu ihm kam und vor Freude in die Hände klatschte, als
er William sah, und zum anderen auch der Geist des jüdischen Propheten
Jeremias, ein Zeitgenosse des babylonischen Königs Nebukadnezar.
Mit zehn Jahren hatte Blake bereits eine Vision gehabt. Als er zu Hause
erzählte, dass er auf einem Hügel einen Baum gesehen hatte, der gänzlich mit
Engeln bedeckt war, riskierte er eine Tracht Prügel durch seinen Vater, der
eine solche Lügerei nicht dulden mochte. Ein andermal sah er Bauern Heu
machen und unter ihnen engelhafte Personen umhergehen. Als Blake 1770 in
seinem 13. Lebensjahr mit seinem Vater einen Graveur aufsuchte, sagte er
anschliessend zu seinem Vater, er möge diesen Mann nicht, er habe ein
Gesicht, als solle er eines Tages gehenkt werden. Zwölf Jahre später wurde
der Mann wegen Banknotenfälschung vor Gericht gebracht und zum Tod am Galgen
verurteilt.
Von 1819 bis 1821 hielt Blake zusammen mit den Malern John Varley und John
Lenney regelmässig Seancen zwischen neun Uhr abends und fünf Uhr morgens ab.
Geister, die sich in dieser Zeit zeigten, wurden von Blake befragt und
porträtiert. Eines Abends sah Blake sogar den Geist eines gerade
dahingeschiedenen Flohs. Mit Hilfe von Varley, der ihm schnell seine
Malutensilien reichte, brachte der aufgeregte Blake ein Bild für die
Nachwelt aufs Blatt, bevor das Wesen wieder verschwand. Vorher erzählte der
unheimliche Besucher noch, dass alle Flöhe von den Seelen von extrem
blutdürstigen Menschen bewohnt würden. In weiser Voraussicht des Schöpfers
seien Flöhe deshalb an die und Grösse von Insekten gebunden. Würde man ihm,
gestand der Besucher, in seiner nächsten irdischen Wiederverkörperung als
Floh die Grösse eines Pferdes geben, würde er ganze Landstriche entvölkern.
Am 14. Oktober 1819, nachts um Viertel vor zwölf, fand sich auch der Geist
von Richard Löwenherz ein, um für den Künstler Porträt zu sitzen. Und der
Geist des Königs Saul erschien freundlicherweise ein zweites Mal, um sich
malen zu lassen, weil er sich das erste Mal zu undeutlich manifestiert
hatte.
Blake war klar, dass er sich nur wenigen seiner Zeitgenossen mit seinen
prophetischen Gedichten (»Vala or the four Zoas«, »Milton«, »Jerusalem«) und
seinen mystischen Bildern (»Europe, a prophecy«; »America, a prophecy«)
verständlich machen konnte. Er sah sich als Sekretär von Autoren, die die
Ewigkeit bewohnten und die ihm freundlicherweise ein paar Einsichten in die
himmlischen Wissenschaften schon zu seinen Lebzeiten visionär vermittelt
hatten. Er hoffte aber, wie er in einem Brief schrieb, mit einem Werk einmal
zukünftige Generationen ansprechen zu können. |