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Der Begriff »Meditation«
wird heutzutage so inflationär gebraucht, dass er für ganz unterschiedlich
seelisch-geistige Prozesse bis hin für jede Art von Entspannung herhalten
muss. Im Begriff steckt medium, also Mitte, und in der ureigensten
Begrifflichkeit geht es darum, zur Mitte unseres Wesens vorzudringen, zum
innersten Sein. Dort sprudelt die Quelle aller schöpferischen
Gestaltungskraft und wandelnder dynamischer Kreativität. Doch so einfach ist
es nicht, diese Quelle anzuzapfen, wie jeder weiss, der es ernsthaft
versucht.
Meditation kann uns einen Zugang dorthin eröffnen. Dabei kursieren
erstaunlich viele Formen, zumeist auf verschiedene Ziele abgestimmt. Nicht
jede eignet sich für Anfänger. Glaubt man, die für sich passende gefunden zu
haben, bleibe man dabei. Haben wir einen Kontakt mit unserem inneren
Bewusstsein aufgebaut und halten ihn durch regelmässige Kontemplation
aufrecht, dürfen wir irgendwann eine immer befriedigendere Zwiesprache und
wertvolle Intuitionen erwarten. Doch liegen hier auch viele Fallen für uns
bereit.
Wollen wir unser inneres Bewusstsein befragen, bedarf es zunächst wieder der
gründlichen Vorbereitung, durch Nachdenken so weit wie möglich zum Kern des
Problems vorzudringen. Je gründlicher wir dabei vorgehen, und das erfordert
Zeit - manchmal Tage oder Wochen - und einiges an Anstrengung, desto näher
kommen wir dem Lösungsbereich. Dafür eröffnen sich neue und tiefere Fragen.
Gelangen wir an den Punkt, an dem es nicht mehr weiterzugehen scheint, legen
wir einen Tag und die Stunde fest, um in die Meditation einzutreten. Es
eignen sich dafür mehr die stillen ungestörten Stunden am frühen Morgen oder
späten Abend. Manchen hilft es, eine Kerze anzuzünden und sich mit Musik
einzustimmen. Andere bevorzugen die freie Natur. Ein voller Magen oder die
vorherige Einnahme von Kaffee oder schwarzem Tee erschweren die Arbeit sehr.
Nun setze man sich so entspannt hin, dass nichts die Konzentration
beeinträchtigt, wie lange es auch dauern mag. Bewährt hat sich für westliche
Menschen die so genannte Pharaonenhaltung: in aufrecht gerader Haltung mit
entspannter Wirbelsäule, die Hände auf den Oberschenkeln - ein Ausdruck von
achtsamer Gesammeltheit. Der Atem sollte ruhig fliessen. Man halte sich
bewusst offen, vorurteilsfrei und ohne bestimmte Erwartungen oder
Wunschvorstellungen. Jetzt fasse man noch einmal seine Überlegungen
zusammen, formuliere die Frage und gebe sie dann mit der Bitte um
Beantwortung nach innen ab.
Von jetzt an versuche man alle Gedanken auszuschalten, die aber stattdessen
verstärkt und von allen Seiten auf uns eindringen. Mit Gewalt richten wir
hier nichts aus. Eher lasse man sie wie Wolken vorüberziehen. Wenn es
gelingt, gelangen wir irgendwann zu einem wenn auch anfangs nur kurzen
Moment wirklicher Stille. In diese Stille kann die Antwort fallen. Zunächst
lasse man sie einfach auf sich wirken, doch notiere man sie. Jetzt aber
sollten wir sie gründlich mit unserem Verstand überprüfen. Ist sie auch
wirklich stimmig? Passt sie zu allen Zügen unseres Wesens? Zunächst haben
wir nämlich nur unser persönliches Bewusstsein erreicht, dem wir eine
subjektive und objektive Ebene zuordnen können. In diesem Bereich, mit dem
wir uns vielleicht lange Zeit zufrieden geben müssen, finden sich nur
unzulängliche Antworten.
Nutzen wir diese Form der Meditation häufiger, vergrössert sich auf Dauer
unmerklich das Hintergrundfeld. Plötzlich können wir Zusammenhänge erfahren,
die über unser persönliches Bewusstsein hinausgehen. Wir haben die Ebene des
so genannten kollektiven Bewusstseins erreicht, die Schatzkammer der
gesammelten menschlichen Erfahrungen. Dieser Kontakt bleibt allerdings
flüchtig wie ein scheues Reh. Zu den Sternstunden im Leben zählt, Zugang zum
so genannten allumfassenden oder kosmischen Bewusstsein zu finden, das
häufig als göttliches Bewusstsein oder Überseele verstanden wird. Doch dies
passiert nur sehr wenigen und auch diesen nur höchst selten. Solche
Botschaften oder Inspirationen äussern sich dann auch nur in
Sekundenbruchteilen und meist in abstrakter Symbolik. Die alten Mythen
sprachen vom zündenden Blitz, und alle Donner- und Blitzgötter waren
zuständig für äusseres und inneres Wetterleuchten.
Im Allgemeinen gilt: Stellt sich innerhalb von maximal 15-20 Minuten kein
Bild, kein Raunen, kein Gefühl oder eine Gewissheit ein, können wir getrost
abrechen. Das heisst aber nicht, dass wir erfolglos blieben. Wenn der
Kontakt mit dem inneren Bewusstsein noch nicht steht, dauert es manchmal
Tage oder gar Wochen, bis die Antwort auftaucht. Sie kann uns dann auch von
aussen durch Medien, Bekannte oder im beiläufigen Gespräch mit Unbekannten
erreichen. So lange muss man aber nicht an derselben Stelle verharren. |