Studienlehrgang über Träume und Traumdeutung
 
Web sphinx-suche.de
Moviestreaming, filmdownloads etc..  Bücher
Weissagungen, Visionen, Prophezeiungen, Orakel
AB   CDEF   GHIJ   KLM   NOPQR  S   TUVWXYZ
 

Bedeutung antiker Orakelstätten und ihre Schliessung

Als der Philosoph Zenon um 300 vor Christus das Orakel in Delphi befragte, wie er sein Leben gestalten solle, bekam er zur Antwort: Er solle sich mit den Toten paaren. Zenon deutete dies als Aufforderung, sich intensiv dem Studium der alten Schriftsteller zu widmen.
Berichte über die antiken Orakel und deren Ausgrabungen lassen erkennen, wie oft Integrität und Schwindel Hand in Hand gingen. Auch die Besucher selbst schienen die göttliche Weissagung nicht immer so ernst zu nehmen, wenn sie nämlich das Orakel so lange befragten, bis es endlich eine günstige Aussage machte. Doch dürfen wir davon ausgehen, dass die meisten Priester und Priesterinnen ihre Aufgabe mit dem grössten Ernst versahen. Zeitweise und manchen Orts mögen sie dabei Drogenpflanzen benutzt haben, damals vermutlich sogar eine legitime flankierende Massnahme. Stellte der durch Drogen herbeigeführte Zustand der Bewusstseinserweiterung eine Art unverzichtbares Showelement dar? Trance als Beweis der Gottesnähe? Oder waren Drogen notwendig geworden, weil ein wachsendes mentales Bewusstsein die Zugänge zum Unbewussten langsam verriegelte?
Seitdem Apollon die Orakelstätten beherrschte, suchte ein Teil der Priesterschaft wohl die intuitive Antwort des Gottes mit der nüchternen Logik zu verbinden. Viele recht weise Sprüche der Orakel haben sich überliefert, oft verbunden mit Rätseln, die der Klient mit oder ohne Beistand zu lösen hatte. Zum Teil weisen die Antworten inhaltlich wie sprachlich-dichterisch einen hohen intellektuellen Anspruch auf. Manch einer mutmasste dahinter sogar Absicht seitens der Priester, das kulturelle Niveau ihrer Zeit anzuheben. An einigen Orakelstätten rekrutierte sich die Priesterschaft nur aus hochgebildeten Familien, die zur intellektuellen Elite gehörten. In Didyma (auch »Branchidae« genannt) »beherrschten« Jahrhunderte lang die berühmten »Branchiden« das Orakel, die Nachfahren des mythischen Sehers Branchos, eines Sohns des Apollon.
Die Orakel vermittelten wichtige Verhaltensformen zur Krisen- und Konfliktbewältigung, im öffentlichen wie im privaten Bereich. Was die göttliche Interpretation anging, pflegte man oft unkonventionelle Vorstellungen. Die Orakel stifteten kraftvolle neue Ideen, Normen oder Kulturtechniken und mahnten Verantwortung an, selbst für die Taten der Ahnen. Sie wiesen darauf hin, wie sorgfältig Fragen bedacht sein sollten (Fragestellung bei Orakelverfahren) und dass manches Schicksal hingenommen werden muss, da unser Verhalten unausweichliche Folgen nach sich ziehe. Im Zeitalter Hunderter von Stadtstaaten suchte vor allem Delphi nach einer panhellenischen Identität, wirkte damit staatsbildend und -tragend, dachte sogar schon in globalen Ansätzen. Deswegen wurde es auch von Nichthellenen ernst und in Auftrag genommen. Sein Einfluss erstreckte sich auf weite Teile des Mittelmeerraums.
Ob durch Absicht oder Zufall, die Orakelstätten der Alten Welt entwickelten sich unter der Führung Delphis zu Zentren eines neuen Denkens. Ihre »Gedanken waren überraschend«, fand sogar Aristoteles, und er zog Vergleiche mit der Philosophie, wo auch »ein scharfsinniger Geist Ähnlichkeiten zwischen zwei weit auseinander liegenden Dingen erkennt«. Die Orakelstätten stellten dank ihrem Einfluss »eine ständige Herausforderung für überkommene Denkschemata dar, indem sie zur Lösung von Problemen animierten - kraft der Autorität eines heiligen Ursprungs und mit Billigung der Götter«.
Doch alles folgt den Gesetzen der Natur, wächst, gedeiht, um irgendwann abzusterben. Einige Orakelstätten verloren schon früh ihre Bedeutung, andere, wie Didyma, blühten im 2. Jahrhundert nach Christus erst richtig auf. Doch setzte gerade in dieser Zeit der rapide Verfall ein. Seit der Politik Alexanders des Grossen lösten sich die Poleis zugunsten von Flächenstaaten auf. Damit verloren die Orakel ihre bedeutendste Klientel, die für alle wichtigen politisch-gesellschaftlichen Entscheidungen den Spruch der Götter gesucht hatte. Stattdessen drängten sich immer mehr Privatpersonen in den Heiligtümern, um selbst für alltägliche und geschäftliche Absichten Entscheidungshilfe zu finden. Für solche Fragen stand ihnen aber auch ein öffentliches Würfel- und Losorakel zur Verfügung. In der römischen Kaiserzeit wuchs gleichzeitig die Kritik aufgeklärter Intelligenz, die es ablehnte, sich fremdbestimmen zu lassen. Einige nahmen die Orakelverfahren kritisch rationalistisch unter die Lupe und versuchten die Spreu vom Weizen zu trennen. Cicero liess kaum noch Weizen übrig. Gleichzeitig setzte aber auch, vor allem bei den römischen Kaisern sichtbar, eine Tendenz ein, immer mehr auf sich selbst bezogene Vorzeichen und Träume zu interpretieren. Als unter dem fanatisch christlichen Kaiser Theodosius (379-395 nach Christus), dem schon ein Hühnerorakel geweissagt hatte, symbolträchtig die Eiche von Dodona 391 gefällt, selbst deren mannsdicke Wurzeln ausgegraben und im Zuge seiner Zerschlagungspolitik der Kulturbetrieb an den anderen Orakeln verboten wurde, hatte sich nicht nur das Christentum fremder und heidnischer Kulte entledigt. Der Mensch war verstärkt auf dem Wege zu Selbstbewusstsein. Das Wissen um den eigenen Weg brauchte nicht mehr aussen gesucht zu werden, sondern fand sich in jedem selbst. Sibyllen und Propheten hatten weitestgehend ausgedient. Die Orakelverfahren wanderten nun in die Hände des einfachen Volkes, verbanden sich mit abstrusem Aberglauben und überlebten bis heute.
Im Jahr 362 versuchte Kaiser Julian Apostata das Orakel von Delphi noch einmal zu beleben. Es vegetierte zu dieser Zeit schon vor sich hin. Bis auf eine Pythia und ein paar Priester war es verlassen. Der Abgesandte Julians liess das Orakel fragen, was es für seine eigene Rettung vorschlage. Die Pythia sprach noch einmal und formulierte damit schon den Nachruf: »Künde dem König, das schöngefügte Haus ist gefallen. Phoibos Apollon besitzt keine Zuflucht mehr, der heilige Lorbeer verwelkt. Seine Quellen schweigen für immer, verstummt ist das Murmeln des Wassers.«

 

 

 

 

weitere ausgezeichnete Bücher, Videos, DVDs, Spiele

 

Hauptseite

Studienlehrgang über Träume und Traumdeutung

Beste Bücher online einkaufen

Beste Internetadressen   Multimedia   Kunst   Zukunftsdeutung & Astrologie   Esoterik & New Age   Traumdeutung

Magie & Märchen & Mystik   Grenzwissenschaften   Hexenwesen   Dunkles im Netz   Parapsychologie & Okkultismus etc.

         Religion & Spiritualität   Alte Kulturen   UFO`s & Phänomene   Meditation, Licht, Fortleben

Heilmethoden, -therapien, Wellness   Aus-, Weiterbildung & Organisationen

Esoterisch-spirituelle Lexika   Lexikon der Parapsychologie   Lexikon der Esoterik