Studienlehrgang über Träume und Traumdeutung
 
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Der Pfarrer von Ars

Schamanistisch zu nennende Vorkommnisse fanden sich gehäuft im Leben des Johannes Maria Baptist Vianney, des 1925 heilig gesprochenen Pfarrer von Ars. Sein Andenken hat sich durch die Bücher von Georges Bernanos, Filme und einen stetigen Pilgerstrom auch aus Deutschland lebendig erhalten. Geboren 1786 als Sohn einfacher, gutherziger Bauern, in deren Haus sich Arme und viele von den Jakobinern Verfolgte die Türklinke in die Hand gaben, liebte es Vianney, sich schon als Dreijähriger in die Einsamkeit zurückzuziehen, »um mit seinem Schutzengel zu sprechen«. In seinen späteren Predigten kehrten mit Vorliebe eigenartige Bilder wieder, die er damals der Natur abgelauscht hatte. Beim Hüten des Viehs seines Vaters auf dem Feld stellte er eine kleine Marienstatue in die Höhlung eines alten Weidenbaums, schmückte und bekränzte sie mit Blumen. Staunend standen die anderen Hirtenkinder vor dem kleinen Altar im Weidenstrunk und liessen sich von ihm zu langen Prozessionen über die grünen Weideplätze führen oder hörten ihm zu, wenn er von den Wundertaten der überirdischen Bewohner des Himmels erzählte.
Als er mit 19 Jahren beim Studium der Theologie Probleme mit dem Latein bekam, wallfahrtete er zum Grab des von ihm verehrten Franz Regis und bat den Heiligen um Hilfe. Danach ging das Lernen sofort viel besser.
35 Jahre lang hatte er, zumeist bei Nacht, Besuch eines Geistes, der sich durch wilden Lärm und Geschrei, durch Pochen und Schläge an die Türen, durch unheimliche Geräusche, die sich wie das Getrappel von Schafherden oder wie das Aufschlagen von Pferdehufen anhörten, bemerkbar machte. Stühle und Möbel des Heiligen wurden durcheinander geworfen, an seinen Bettvorhängen wurde gerissen, das Bett zerbrach und entzündete sich. Der Geist packte Vianney an den Füssen und zerrte ihn umher. Beim Besuch eines jungen Studenten, dem er in seinem Zimmer die Beichte abnahm, schien es dem Besucher, als ob sich das ganze Innere drehe, der Stuhl und alle Gegenstände hin und her rückten. Als er angstvoll hinaus wollte, hielt ihn Vianney zurück und sagte gelassen: »Das ist weiter nichts, nur der Teufel.«
Sah er jemanden in die Kirche kommen, der schwer mit Schuld beladen war, weinte er, schon bevor er mit diesem Menschen ein Wort gesprochen hatte. Als ihn ein Besucher fragte, warum er denn so heftig weine, sagte Vianney: »Ich weine, weil du nicht weinst.« Seine Fähigkeiten steigerte er durch Meditation, Gebet, Kasteiungen und Fasten. Oft ass er zwei bis drei Tage gar nichts. Ansonsten bestand seine Nahrung aus Kartoffeln und gelegentlich Eiern, die er in heisser Asche gekocht hatte, oder aus Pfannkuchen, die er aus Mehl, Wasser und Salz zubereitete.
Häufig sah er in Visionen himmlische Wesen, die zu ihm sprachen. Seiner Umgebung gegenüber benannte er sie als Johannes den Täufer, als die Himmelsmutter (Maria) und als die heilige Jungfrau Philomena. Auch den Himmelsherrn (Jesus) sah er in der Hostie leibhaftig vor sich. Als es immer häufiger zu Aufsehen erregenden unerklärlichen Heilungen durch ihn kam, schickte er die Hilfesuchenden zum Altar der heiligen Philomena, deren Grab in Rom 1802 in den Katakomben entdeckt worden war und von der er eine Reliquie besass. Sie sei es, erklärte er, die die Wunder wirke. Als weitere Wunder in der Kirche geschahen, liess er Heilungen erst dann erfolgen, wenn die Besucher wieder zu Hause waren. Vianney hatte die Gabe der Hellsichtigkeit, las in den Seelen seiner Besucher wie in einem Buch und sagte nicht nur Heilungen, sondern auch zukünftige Ereignisse genau voraus. Man glaubt, dass Vianney mit den Schutzengeln seiner Beichtkinder in Beziehung getreten sei. In der Sakristei erteilte er Rat, segnete, weihte und verteilte Bildchen und Medaillen der heiligen Philomena sowie Öl aus den Lampen, die vor ihrem Altar brannten, an Hilfesuchende. Typischerweise liess Vianney nie ein Bild von sich machen. Als doch heimlich Abbildungen von ihm hergestellt und als Andenken feilgeboten wurden, jammerte er: »Oh, ich armer Mensch, man hängt mich auf, man verkauft mich.«
Als er einst während der Messe die Worte der Wandlung sprach, geriet er in Ekstase und schwebte über dem Boden. Auch im Beichtstuhl, in dem er ab 1830 täglich 15 bis 18 Stunden lang Pilger empfing, überkam ihn die Ekstase. Einmal leuchtete sein Körper eine Stunde lang. Den Beichtstuhl des Heiligen musste man schon früh mit einem Gitter schützen, damit die Pilger keine weiteren Stücke davon als Reliquie abschneiden konnten. Den Zeitpunkt seines Todes, den 4. August 1859, wusste er im Voraus.
Als 1904 sein Grab geöffnet wurde, fand man die Leiche unverwest, die Glieder unversehrt, das Herz noch erhalten. Ältere Bewohner von Ars, die den Pfarrer in ihrer Jugend noch erlebt hatten, riefen: »Das ist unser Pfarrer, wie er unter uns lebte!« Blut, das man seinem Körper entnahm und in ein Fläschchen füllte, war noch flüssig und ist es bis zum heutigen Tag. Sein Körper liegt, unverwest, in einer Glasvitrine in der Wallfahrtskirche.

 

 


 

 

 

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