Studienlehrgang über Träume und Traumdeutung
 
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Apollonius von Tyana

Sein Bewusstsein soll die ganze Welt umfasst haben und mit einem Blick erschaute er Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dieser Zeitgenosse Jesu habe alle Sprachen der Welt verstanden, selbst die der Tiere. Als er einmal in Gesellschaft seiner Freunde sass, blickte er in einen Baum zu einer Sperlingskolonie. Da flog ein weiterer Sperling heran, zwitscherte laut und aufgeregt, machte sich dann wieder davon und alle Vögel eilten ihm nach. Apollonius berichtete erheitert, jener Bote habe verkündet, ein mit Weizen beladener Esel sei nahe der Stadt zusammengebrochen. Die Körner lägen nun auf dem Boden verstreut wie auf einem Präsentierteller. Erstaunt machten sich die Freunde des Sehers auf den Weg, um das zu überprüfen. Und tatsächlich verhielt es sich genau so, wie er geschildert hatte.
Eine Auflistung seiner Wundertaten stellt die von Jesus fast in den Schatten. Sein Biograph Philostratos, der ihm nach dem Jahr 217 ein Denkmal setzte, erklärte den Asketen, Prediger und überzeugten Pythagoreer zu einem aussergewöhnlichen Propheten, der die Pest von Ephesos, das Erdbeben von Jonien und viele andere Ereignisse vorhergesagt habe. Spätere Anhänger zogen Vergleiche zwischen Apollonius und Christus, womit sie aber vielleicht das Bewusstsein des Jesus als Christus meinten.
Apollonius bereiste Ägypten und Kleinasien und kam sogar bis nach Indien. Überall interessierten ihn die Orakelstätten. In Delphi, Dodona und Abai führte er kultische Neuerungen ein. In Lebadeia erklärte er den indignierten Priestern, er wolle mit Trophonios über Philosophie diskutieren. Gegen ihren Widerstand betrat er am Abend den Eingang zum Orakel, wobei er nicht die weissen Kleider normaler Befrager trug, sondern seinen Philosophenmantel, als ob er einen gelehrten Vortrag halten wolle. Über das Treffen muss Gott Trophonios so begeistert gewesen sein, dass er seinen Priestern erschien und ihnen auftrug, sich in sieben Tagen im 7o Kilometer entfernten Aulis einzustellen, um Apollonius dort zu erwarten. Tatsächlich
blieb der »Meister« wohl sieben Tage unter der Erde, länger als je ein Mensch vorher, und trat in Aulis wieder ins Tageslicht. In seinen Händen trug er die Schriften von Pythagoras, dessen Philosophie Trophronios »als die umfassendste und klarste« bezeichnet haben soll. Damit erhielten die pythagoreischen Lehren göttliche Legitimation, und Apollonius hatte sich als geschickter Marketingvordenker und -stratege erwiesen.

 

 

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