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Die Griechen beschrieben
das Geheimnis der Sonne mit mehreren, Göttern. Zeus, zugleich Göttervater,
verkörperte die Kraft des Sonnenlaufs durch das Jahr und den Tierkreis.
Helios vertrat das kompakte sichtbare Gestirn am Himmel, das als fühlbare
Wärme auf die Erde scheint. Apollon aber symbolisierte das Licht, vor allem
in seinem geistigen Aspekt.
Auf der Insel Delos soll Apollon unter einer Steineiche geboren sein, dem
Baum des Vogels Phönix, und von dort aus eroberte er das Festland. Er wurde
immer als »Zugereister« betrachtet. Doch bleibt es ungewiss, aus welcher
Kultur er stammte. Vermuten die einen seinen Ursprung in Ägypten oder
Babylonien, glauben andere an seine Herkunft aus Britannien.
Wenn auserwählte Menschen von einem unwiderstehlichen Willen aus ihrem
Innern in die tiefste Form weiblicher Aufnahmefähigkeit gedrängt werden,
gewinnen sie Zugang zum Urgrund der Seele. Diesen Urgrund verglich man mit
einem weiblichen Mutterschoss und verstand ihn als die undifferenzierte
Urmaterie, als mythische Dunkelheit und das Chaos vor jeder Schöpfung. Heute
sprechen wir vom Unterbewusstsein. In dieser Dunkelheit aber leuchte ewig
ein kleiner Funke, das männlich impulsierende und zeugende Licht, der
objektive Geist der Seele. Der mittelalterliche Mystiker Meister Eckhart
sprach dabei vom Seelenfunken, dem menschlichen Teil der göttlichen Allseele.
Die alten Griechen nannten den Funken Apollon. Er steigt aus dieser
Finsternis empor an die Oberfläche des Bewusstseins und vertreibt damit
Thyphos, das drachenähnliche Ungeheuer beängstigender Chaoskräfte, im
übertragenen Sinn: die Finsternis der Unwissenheit und Illusion. Apollon als
Vernichter der Dunkelheit repräsentierte nun Gesetz, Ordnung und die
verstandesmässige Erkenntnis. In der griechischen Philosophie wurde dieser
Vorgang als das Erscheinen des Logos (d.h. des Wortes, Denkinhaltes), der
aus höchsten Höhen oder tiefsten Tiefen kommt, bezeichnet. In Verbindung mit
unserem Intellekt entsteht daraus Vernunft — als strahlendster Ausdruck des
Göttlichen.
Über dem Portal des Apollontempels in Delphi stand: »Erkenne dich selbst«.
Das hiess und heisst nicht nur, seine wahre Natur herauszufinden, die
Signatur unseres Charakters. Es bedeutet, das Seelisch-Geistige als das
Höhere zu entdecken, unseren apollonischen Anteil, das Unsterbliche, wie die
griechischen Mysterienkulte es schon zu vermitteln suchten. |