Studienlehrgang über Träume und Traumdeutung
 
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Apfelorakel

Unbestritten reicht die Verehrung des Apfelbaums bis in die Steinzeit zurück. Recht früh tauchen auch seine Früchte als Symbol der Potenzen von Natur und Liebe auf, in höherer Sinngebung als Ausdruck de Sonne, mit ihrer ganzen Verführung praller Fruchtbarkeit und Erleuchtung. Adam und Eva wussten eben falls schon davon, aber noch nicht vom Apfelorakel. Sonst wären sie vielleicht vorgewarnt gewesen, uni alles menschliche Schicksal hätte einen ganz anderen Verlauf genommen.
Aus guter Tradition bieten sich Äpfel für Weissagungen in Angelegenheiten der Liebe an. Am Andreasabend, Weihnachten, Silvester Neujahr oder wann immer schäl man einen Apfel so, dass die Schal nicht abreisst. Diesen Schalenkringel werfe man über die Schulter. Nach dem Partnerglück befragt, soll die Figur der Schale am Boden den Anfangsbuchstaben des Vornamen preisgeben. In aller Regel lässt sich aber fast immer nur ein »B« lesen. Damit schränkt man also sein Chancen auf zukünftige Partner allzu sehr ein.
Mehr Aufwand erfordern die Apfelbeschwörungen. Der oder die Zukünftige erscheint vor dem geistige Auge, legt man sich in der Thoma nacht nackt ins Bett, beisst dreimal in einen erbettelten Apfel und zitiert das Glück mit ähnlichen Worten herbei wie beim Schuhwerfen. Eine Variante dazu soll sich mehr für die Andreasnacht oder zu Allerheiligen eignen: In jener Nacht muss mit dem ausdrücklichen Wunsch, den nächsten Partner kennen zu lernen - gilt auch für konventionelle Dauerpartnerschaften -, ein angebissener Apfel unter das Kopfkissen gelegt werden. Dann soll die betreffende Person zumindest im Traum erscheinen. Wer die möglichen Kandidaten bereits im Auge hat und auf einen engeren Kreis reduzieren konnte, dem empfiehlt sich folgende Vorgehensweise: Man nimmt drei Äpfel und schreibt auf jeden einen Namen oder ritzt ihn ein, legt sie in der Andreasnacht unter das Kopfkissen und schläft darüber. In der Nacht oder am Morgen, aber noch im Dunkeln (!) lange man spontan und ohne zu zögern nach einem dieser Äpfel und beisse hinein ... Jetzt darf das Licht angeknipst und der Name auf dem gewählten Apfel gelesen werden.
Seit der Affäre im Paradies gilt der Apfelbaum für die einen als eher anrüchig, für die anderen als besonders heilig. Wer zu den letzteren gehört und einen Apfelbaum findet oder kennt, der in der Christnacht blüht, der zögere nicht und stelle sich in jener Nacht unter den Baum. Es heisst, man sehe dann den Himmel offen. Da der Himmel nach vor- und unchristlicher Lehre in der irdischen Welt beheimatet ist, könnte der Einblick Erkenntnisse bieten.

 

 

 

 

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