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Albert wurde 1193 in
Lauingen in Schwaben als Sohn eines wohl habenden kaiserlichen Beamten
geboren. Bis zum Jünglingsalter unter richtete ihn Meister Scholastes, ein
sehr gebildeter Mönch, in Philosophie, Theologie, aber auch in Mechanik,
Chemie und Physik. 1222 vervollständigte Albert seine Studien in Padua und
Bologna.
Im Traum erschien ihm die Jungfrau Maria und bestärkte ihn, als Novize in
den Orden der Dominikaner einzutreten. Als Magister der Theologie lehrte er
an der Universität zu Paris mit so grossem Erfolg, dass e auf einem Platz im
Freien lesen musste, weil der Hörsaal die zahlreichen Studenten nicht
fasste. 1254 wurde, er Provinzial seines Ordens, I260 Bischof der Stadt
Regensburg. Als es ihm gelang, die desolate Finanzsituation der Stadt in den
Griff zu bekommen, munkelte man, Albert sei ein Alchemist und könne Gold
machen. Dass Albert mit menschenähnlichen Automaten, mit magischen Tischen,
der Laterna magica, mit Feuerwerk, mit Fallschirmen und mit Treibhäusern, in
denen zur Winterszeit Bäume und Blumen blühten, experimentierte und auch die
erste Figurenuhr schuf, erstaunte seine Zeitgenossen, mehrte seinen Ruhm,
nährte aber auch wieder Spekulationen, er sei ein Magier, der so tief in die
Geheimnisse der Natur eingedrungen sei, dass er zaubern könne. Aufgrund
einer Vision, die ihm die Jungfrau Maria eines Nachts eingab, soll er auch
den Urplan des Kölner Doms gezeichnet haben.
Am 9. März des Jahres 1274 brach er in Tränen aus und erzählte seiner
Begleitung, dass er gerade in einer Vision gesehen habe, dass sein Schüler
und Freund Thomas von Aquin im Sterben liege. Tatsächlich war, wie später
bekannt wurde, der Tod des heiligen Thomas genau zum Zeitpunkt der Vision
eingetreten.
Albert starb hochbetagt 1280 in Köln. An seinem Grab ereigneten sich
Wunderheilungen, so dass er bereits im 14. Jahrhundert mit einem
Heiligenschein dargestellt und vom Volk kultisch verehrt wurde. Bei einer
Graböffnung 1483 fand man seinen Leichnam unverwest vor. Ihm entströmte ein
angenehmer Duft. Im Jahr 1484 wurde Albert selig gesprochen. Papst Pius XI.
sprach ihn 1931 heilig. Alberts Reliquien befinden sich in der Andreaskirche
in Köln. Seine Gehirnschale wird in der Stadtkirche von Lauingen aufbewahrt.
1941 wurde Albert von Papst Pius XII. zum Schutzheiligen der
Naturwissenschaften erklärt.
Im Jahr 1651 erschienen seine theologischen und naturwissenschaftlichen
Schriften in 21 Bänden in Lyon. Neben Abhandlungen zur Theologie und
Philosophie schrieb Albert über Pflanzenzucht, Landwirtschaft, Gartenbau,
Pferde- und Hundehaltung, über die Jagd mit Falken, über Gesteinsarten,
Astrologie und Wahrträume. In einem Traktat über die Prophetie definiert er
als wahre (echte) Prophetie eine von Gott verliehene Gnade (charisma). Gott
verleihe die Gnade der Prophetie, wem er wolle. Auch Personen, die im Stande
der Sünde seien, heilige er durch diese Gabe. So könne, im Gegensatz zu der
gegenteiligen Auffassung des Origenes, auch jemand während des Beischlafs
prophezeien. Allerdings fragt Albert, wie bei einer derart intensiven
Bindung der Seelenkräfte ans Fleischliche die Ausübung der Prophetie möglich
sein soll. Volkszauberbücher wie der »Grosse Albert« und der »Kleine
Albert«, deren Autorenschaft dem berühmten »Doctor Universalis« zugesprochen
wurde, hielten die Erinnerung an das Geheimwissen von Meister Albert bis
heute bei der Landbevölkerung wach. In diesen Büchern, die apokryphen
Schriften (dem »Liber secretorum Alberti Magni« und dem »De secretis
mulierum et virorum«, 1871 ins Deutsche übersetzt) entstammen, werden
Vorhersagen über den Charakter und die Neigungen des Menschen anhand der
Gesichtsform und Gesichtszüge (Haare, Stirn, Augen, Augenlider, Augenbrauen,
Nase und Zähne), anhand des Halses, der Arme, der Hände, der Füsse und des
Leibs gemacht. Es wird angegeben, welche Tage im Lauf des 30-tägigen
Mondlaufs Glück oder Unglück bringen. Und mit dem »Esmondus« wird ein
Edelstein genannt, der es dem Besitzer ermöglicht, alle Träume auszulegen,
und mit dem »Gena« ein Stein, der die Zukunft wissen lässt: »Leg den Stein
unter deine Zunge, und solange du ihn hast, wahrsagst du allweg künftige
Dinge, ohne zu irren.«
Ob man sich mit der nachstehenden Wahrsagepraktik bei seiner Partnerin
beliebt macht, müssen wir der Klugheit des Lesers überlassen: »Wenn ein Mann
wissen will, ob seine Frau keusch und sittsam sei, nehme er den
eisenfarbigen Magnet, der in dem Indischen Meere und manchmal in deutschen
Landen und auch in Frankreich gefunden wird. Er lege ihn unter das Haupt der
Frau. Ist sie keusch, so wird sie den Mann umarmen, ist sie aber unfromm, so
fällt sie vom Bette.« |