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Heinrich Agrippa von
Nettesheim begann 1491 mit 13 Jahren an der Kölner Universität an der
Fakultät der freien Künste zu studieren und beendete seine Studien im Jahr
1502. Als frisch gebackener Doktor zog er 1503 nach Paris, um seine Studien
zu vervollständigen. Hier führte er alchemistische Experimente durch. Früher
schon hatte er sich so intensiv mit der Astrologie beschäftigt, dass er
sagen konnte, er habe sie mit der Muttermilch getrunken.
Als er wieder nach Köln zurückgekehrt war, nahm er 1509 Kontakt zu dem
gelehrten Abt Johannes - Trithemius auf und besuchte ihn und seine berühmte
Bibliothek in Sponheim. Angeregt durch Trithemius verfasste Agrippa Entwürfe
zu seinem 1530 - 1533 in drei Bänden mit über 600 Druckseiten erschienenen
Kompendium der Magie. In mehreren Kapiteln stellte Agrippa die klassischen
Orakeltechniken und Wahrsagekünste dar und in einem später hinzugefügten
Kapitel diskutierte er die Möglichkeiten der Zukunftsdeutung durch Los- und
Würfelorakel.
Um wahrsagen zu können, müsse man von den Genien (Geistern) der
verschiedenen Himmelssphären göttlich inspiriert werden, führt Agrippa aus.
Ihren Beistand gewinnt man durch folgende Mittel:
Mittel :
Mond;
Kräuter, Wurzeln, Steine und Metalle zum Anhängen an den Körper
Merkur;
Tierische Stoffe, die man isst, beispielsweise das Herz eines Maulwurfs
Venus;
Salben und Räucherungen
Sonne;
Erklingenlassen von Gesängen und harmonischen Tönen
Mars;
Heftige Erregung der Einbildungskraft und des Gemüts
Jupiter;
Moralische Reinigung, Bewunderung und Verehrung des Göttlichen
Saturn;
Ruhige Betrachtungen des Verstandes (Meditation)
Sternenhimmel;
Beobachtung der Stellung und Bewegung der Himmelskörper
Universum;
Betrachtung von Zahlen, Figuren und Charakteren
Er berichtete in seinem Werk auch über die Seelenreisen der Schamanen. »Noch
heutzutage trifft man bei den Norwegern und den Lappen sehr häufig Personen,
die sich volle drei Tage von ihrem Körper zu trennen imstande sind und
zurückgekehrt aus fernen Ländern vieles verkünden.«
Noch nach seinem Tod versuchten Inquisitoren wie Jean Bodin und Antonio
Delrio das Ansehen, das Agrippa ungeachtet aller Angriffe genoss,
herabzusetzen. Gleichzeitig sollte auch sein immer mehr in der
Öffentlichkeit an Glaubwürdigkeit als Vorkämpfer gegen den Hexenwahn
gewinnender Schüler Johannes Wierus (Weyer) in ein dunkles Licht gesetzt
werden. So behauptete Bodin, der schwarze Pudel des Agrippa sei ein
Höllengeist in Hundegestalt gewesen, der ihm Nachrichten brachte und die
Zukunft sagte. Dass Agrippa ihn >Monsieur< rief, war für Bodin der Beweis,
Agrippa habe den Teufel seinen Herrn genannt. Delrio unterstellte ihm gar,
er habe stets den von ihm durch Zauberei und Hypnose verblendeten Wirten
seine Zeche mit Hornstücken statt mit Goldstücken bezahlt.
In Agrippa von Nettesheim fand Goethe das Vorbild für die Gestalt des
Zauberers Faust und Agrippas Hund regte ihn zu der Osterspaziergangsszene
mit dem als Pudel auftretenden Teufelsgeist Mephistopheles an.
Der Volkskundler Michael Kuper kommt in seiner Biographie über den Magier zu
dem Urteil: »Agrippa von Nettesheim war eine der schillerndsten und
facettenreichsten Persönlichkeiten der Renaissance. Sein wechselvolles Leben
stellt eine Herausforderung für Biographen, Historiker und Literaten dar.
Hin und her gerissen zwischen den Polen des magischen und skeptischen
Denkens, hinterliess Agrippa der Nachwelt ein widersprüchliches, von
faustischem Doppelsinn geprägtes Werk, das bis heute kontrovers diskutiert
wird. |