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Surrealismus, phantastische Malerei
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Wesselmann, Tom

(*1931 Cincinnati/Ohio)
Auf dem Gemälde „Bildnis eines Unbekannten“ von“ Sandro Botticelli (1445-1510), das m den Uffizien hängt, hält der ._ dort abgebildete junge Mann mit dem roten Hut dem Betrachter eine Münze entgegen. Gleichwohl haben nur wenige Betrachter gemerkt, dass diese Münze tatsächlich echt ist: beziehungsweise eine mit Blattgold überzogene münzen ähnliche Gipsform ist.Auf dem Werk Landschaft Nr. 2 (1964) des Amerikaners Tom Wesselmann parkt ein Auto in der Nähe eines Baumes. Der Baum ist eine plastische Gipsnachbildung, die leicht als solche erkannt wird; der Wagen hingegen wirkt im unteren Teil wie ein Photo und im oberen Teil wie ein Gemälde. In beiden Werken wird Realität als abbildbar, nachbildbar und „demonstrierbar“ (oder manipulierbar) hingestellt, und Wesselmann ist der einzige unter den modernen Künstlern, der sich mit seinen Arbeiten nahezu ausschliesslich mit diesem phantastischen Prozess artifizieller „Material- und Realitätsverschränkungen“, wie es Peter Sager nennt, auseinandersetzt. Wesselmann, der nach einem zweijährigen Studium am Hiram College (1949-1951) zunächst an der Universität von Cincinnati (1951) ein Psychologiestudium aufnahm und von 1952-1954 seinen Militärdienst ableistete, begann mit dem eigentlichen Kunststudium erst 1956; bis 1959 studierte er dann an der Cooper Union School of Art and Architecture in New York. Bereits zwei Jahre später waren seine ersten Collagen und Materialbilder auf einer Ausstellung in der Tanager Gallery in New York zu sehen. 1968, nach weiteren Ausstellungen in Paris und Turin, hingen seine Werke auch auf der documenta in Kassel. Schon in dem 1961 begonnenen Zyklus American Nudes und den kurz danach begonnenen Zyklen Landscape, Scascape und Bedroom Painting kommen die typischen Merkmale der Arbeiten Wes-selmanns zum Ausdruck:

a) Sujet-Bewältigung innerhalb einer fortlaufenden Serie,

b) gleichzeitige Auseinandersetzung mit verschiedenen Genres (Landschaft, Interieur, Stilleben),

c) Einsatz, flächiger Farbblöcke und

d) Erschaffung eines eigenen dreidimensionalen Kunstraumes (Ambiente) durch Einbeziehung realer Gegenstände, die dem zweidimensionalen Bildbereich vorgelagert oder beigefügt sind (Kanovitz).

In Great American Nude No. 54 (1964) kommt die durch Punkt d hervorgerufene ungewöhnliche Schärfenebenenverteilung deutlich zum Ausdruck: Das Auge des Betrachters muss, um das Bild „lesen“ zu können, auf verschiedenen Ebenen verweilen, währenddessen der Rest des Bildes unscharf wird (ein Eindruck, der ansonsten nur bei sehr grossformatigen Bildern entsteht); trifft der Blick beispielsweise die „reale“ Blumenvase auf dem Tisch vor dem Fenster, so ist die plakathaft „gemalte“ Vase nurmehr ein Farbschimmer, und umgekehrt ereignet sich ähnliches. Der Betrachter ist gezwungen, sich aus verschiedenen Realitätsbereichen (Gegenstand, Photo, Gemälde und Raum) eine mosaikartige neue Realität zu schaffen. Die hierdurch hervorgerufene Verunsicherung ist allerdings abhängig von der Konditionierung des Betrachters und von dessen wechselnden Blickwinkeln. In Wesselmanns Werken ist das phantastische Moment die Realität selber, die mit sich selbst, fortwährend changierend, konfrontiert wird.


 

 

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