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(* 26. 2. 1836 New York,
T 29.1.1923 Rom)
Das Leben Elihu Vedders, des neben John La Farge vielleicht bedeutendsten
Malers des jungen Amerika im vorigen Jahrhundert, gleicht einer jener
Erzählungen von Henry James, in denen er die Schicksale amerikanischer
Intellektueller und Künstler schildert, die nach Europa, insbesondere nach
Italien, auswandern und schliesslich weder hier noch dort zu Hause sind.
Seine Biographie, die zum erstenmal die Italo-Amerikanerin Regina Soria
(1970) ausführlich schildert, scheint aus einer unzähligen Reihe von Reisen
über den Atlantik zu bestehen. Vedder verbrachte seine Jugend in der
Karibik, erhielt seinen ersten Malunterricht Anfang der 5oer Jahre im
Shelbourne Studio des New Yorker Malers T. H. Matteson und fuhr 1856 zum
erstenmal nach Europa. Er studierte im Atelier Francois Picot in Paris, wo
sich mehrere junge Amerikaner versammelt hatten, und lernte dort Charles
Ceryl Coleman kennen, mit dem er sein Leben lang befreundet blieb. Eine
kurze Italien-Reise ging seiner Rückkehr nach Amerika voran. Zwischen 1861
und 1865 entstanden dort seine ersten wichtigen Bilder, darunter Das Ei des
Vogels Roc (1863) und Der Befrager der Sphinx aus demselben Jahr. Sie lassen
deutlich die inhaltliche Richtung erkennen, die für Vedders bekannteste
Werke kennzeichnend wurde: Seine bildnerische Phantasie entzündete sich vor
allem an Stoffen makabren oder geheimnisvollen Charakters, und eine Vorliebe
für den Orient, besonders für alles Ägyptische, ist auffallend. Während der
Jahre in Amerika lernte er mehrere junge Schriftsteller kennen, in deren
Werken sich ähnliche Tendenzen bemerkbar machten (wie bei James Fitz
O'Brien, Hugh Ludlow). Dieses „Visionäre“, das auch schon bei Edgar Allan
Poe oder Nathaniel Hawthorne zu finden ist, ist eine dauerhafte Komponente
der amerikanischen Kunst und scheint gerade durch den Gegensatz zu dem
andererseits so typischen optimistischen Pragmatismus bedingt zu sein. Bei
einem weiteren Paris-Aufenthalt lernte Vedder Carrie Beach Rosenkrants
kennen, die er 1868 heiratete. Ihre grosse praktische Begabung trug zu der
Karriere ihres Mannes nicht unwesentlich bei. Vedders Studio in Rom wurde zu
einem Zentrum der „europäischen Amerikaner“, während auch Kontakte zu den
späten Präraffaeliten und den Symbolisten hergestellt wurden. Sowohl Lord
Leighton, mit dessen idealistischem Klassizismus Vedder vieles verband, als
auch Crane gehörten zu Vedders Bekanntenkreis. Als einen Höhepunkt im OEuvre
des Amerikaners sind seine Illustrationen zu Omar Khayyams „Rubäyat“ (1884)
anzusehen: Seine Bewunderung für Blake und die Arbeiten seines jüngeren
Kollegen Crane vereinen sich hier mit seinem eigenen visionären Symbolismus
zu einer eindrucksvollen Synthese. Die letzten 20 Jahre seines Lebens
verbrachte Vedder, bereits eine „lebende Legende“, in der von ihm
entworfenen Villa „Torre Quattro Venti“ auf Capri.
Weitere Hauptwerke Höhle der Seeschlange, 1864; Erinnerung, 1870; Die
Sybille von Cumae, 1875-1878; Der Kelch des Todes, 1885-1911; Die Seele in
Ketten, 1891. |